Mazatlan-Durango: ein Trip fuer Sportsfreunde (Mo, 09.01.06)

Liebe Familie und Freunde,
hoffentlich habt Ihr alle die Feiertage gut ueberstanden und seit gut ins neue Jahr gerutscht. Vielen herzlichen Dank fuer all die Geburtstagsgruesse anlaesslich meines (A) 32-igsten Jubilaeums.

Wir haben Silvester gebuehrend mit einer Schnorchel/Kanutour von La Paz aus begangen. Mit einem Motorboot wurden wir zu einer der vorgelagerten Inseln mit dem schoenen Namen Espiritu Santo (heiliger Geist) begracht. Die Insel sah allerdings aus, wie von allen guten und heiligen Geistern verlassen: trocken, trocken, trocken. Dafuer quillt das Wasser vor Leben nur so ueber. Auf dem Weg zur Insel haben wir eine ca. 30 koepfige Delphinschule getroffen, die einige Zeit in der Bugwelle des Bootes gespielt haben. So nahe und zahlreich haben wir diese wunderbaren Tiere noch nie gesehen. Das eigentliche Ziel der Tour was aber eine Seeloewenkolonie. Dort wurde man ausgeruestet mit Schnorcheln und einem kurzen Neoprenanzug ins Wasser entlassen, mit dem Rat, sich von den Maennchen fernzuhalten und mit den Jungen zu spielen.

Ich dachte ja ehrlichgesagt, das waere eine Uebertreibung, aber mit Nichten: Schon bald wurden der Z und ich von einem Seeloewenmaedchen entdeckt, die sich diese beiden schwimm-u. tauchbehinderten Wesen mal von der Naehe ansehen wollte. Sie kam so dicht, dass wir ihren weichen Bauch spreicheln konnten, mussten allerdings als Gegenleistung unsere Handgelenke und Schwimmflossen beknabbern lassen. Ein wirklich unglaubliches Erlebnis, als ob man im Berliner Zoo im Seeloewenbecken schwimmen gehen wuerde.

Als Zugabe gab es natuerlich jede Menge farbenpraechtige tropische Fische, die so unecht aussehen, dass man fast an seiner Optik zweifelt. Das von der Agentur nur kurze Wetsuits zu Verfuegung gestellt wurden, hatte zwei Nachteile. Erstens nach 45min. war man total durchgefroren und zweitens: man hatte gute Chancen moeglichst viele Feuerquallen zu treffen. Ja, ja lacht nur, aber wir lassen echt keinen Stachel aus. Besonders Zadigs Arme sahen noch einige Tage nach einer echt ueblen Hautkrankheit aus! Wir sind dann noch ca. 6km mit recht wackligen Seekajaks an der Inselkueste unterwegs gewesen, bis es dann zurueck nach La Paz ging.

Der Silvesterabend war dann dagegen recht beschaulich ohne Geballer und Besaeufnis, dafuer erst mit einem 70-jaehrigen US-Matheprofessor und danach mit einem Berliner, der sich anscheinend auf dem Weg zu einem professionellen Pokerspieler befindet und so seine Reisen finanziert. Den Nerv haetten wir trotz unser, bzw. ja mehr Zadigs phaenomenaler Gewinne in Las Vegas wohl nicht.

Da unser Faehre nach Mazatlan erst am 3.01 ging, haben wir noch zwei Tage an der Playa Tecolote noerdlich von La Paz verbracht und dort in am Strand gezeltet. Dann ging es mit einer Faehre, die bestimmt nicht durch den ADFC-Check gekommen waere 16h nach Mazatlan auf dem Festland. Auf der Faehre haben wir ein radelndes schweizer Paar wiedergetroffen, die wir schon aus Moab, Utah kannten und die sich diese Radtour ( Alaska-Costa Rica) zu ihren 50. (!) Lebensjahr gegoennt haben.
Von Mazatlan ging es dann recht sportlich bergauf, um es mal neutral auszudruecken. Aus einem feucht-heissen tropischen Klima mit entsprechender Vegetation erklimmt man in einem schier endlosen auf und ab eine max. Hoehe von 2800 m ueber dem Meer. Die Strasse ist allerdings die Muehen mehr als wert (sage ich jetzt, gut das mich keiner waehrenddessen fragen konnte). In fast senkrechte Waende gesprengt ueberwindet sie zahllose tiefe Canyons. Diverse Kreuze am Strassenrand erinnern an jugendliche Raser, die hier ihre letzten km zurueckgelegt haben. Nach ca. 1000 l Schweissverlust und Beinen wie Blei erreicht man schlussendlich brandenburgischen Kiefernwald. Und da in Brandenburg ja nun mal Winter ist, stellten sich folgerichtig auch winterliche Nachttemperaturen ein. Kurz mach Sonnenuntergang sank die Temperatur unter den Gefrierpunkt, was wir an der Eisschicht, die sich nach dem Abwaschen der Toepfe unverzueglich auf dem Metall bildete, vermuten konnten. Die Nacht war doch etwas ungemuetlich, da erstmals der Komfortbereich unsere Schlafsaecke schmerzhaft unterschritten wurde. Interessant war auch die Eisschicht, die sich im Innenzelt (richtig: Innen) gebildet hatte und unsere durchgefrorenen Wassersaecke/Flaschen, die wir am naechsten Morgen freibrechen mussten. Die Erklaerung fuer dieses physikalische Phaenomen lieferte dann am Morgen eine Art mexicanischer Ranger. Zwischen 3:00 und 8:00 morgens hatten wir erfrischende -14 Grad Celsius. Das macht Mut, fuer die naechsten Wochen, die wir auf dem mex. Hochland verbringen werden.

Jetzt sind wir jedenfalls in der Kolonialstadt Durango angekommen und werden morgen in Richtung Zacatecas weiterradeln. Tut mir leid, dass es so lang wurde, ich mag endlose Sammelmails eigentlich nicht, aber es passiert einfach soviel.....
Viele liebe Gruesse, der Z hat Euch gerade noch mit Bildern versorgt,
Eure Zadig und Annette

Schon wieder Fotos...
Hier wird wieder ein Link gesendet, der vom 31.12. funktioniert aber auch noch und zeigt die neuen Bilder mit an. Ab jetzt ist der Link also nicht jedesmal neu. Ich lerne halt nur sehr langsam, wies elegant geht....
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Gedanken ueber Mexico (Do, 19.01.06)
Hola Amigos,
mal wieder eine fast zu lange Durchsage bezueglich der letzten Ereignisse. Inzwischen sind wir wirklich im richtigen mexicanischen Hochland angekommen und Strand und Meer sind nur noch Erinnerungen. Vorweg, Mexico ist wirklich der Knueller. Wahrscheinlich sind wir auch nur so ueberrascht, da wir uns im Vorfeld sehr wenig bis gar nicht mit Mexico beschaeftigt haben. Das ist auf der einen Seite etwas arrogant, auf der anderen Seite erwartet man nix und ist dann positv ueberrascht.
Seit Durango haben wir uns etwas zu Staedtereisenden verwandelt und klappern im 2-3 Tage Rhythmus eine Kolonialstadt nach der anderen ab. In Zacatecas haben wir zwei Tage verbracht und waren von der Schoenheit des centro historico regelrecht verzaubert. Besonders wenn man aus den gesichtslosen US-amerikanischen Staedten kommt, wird man von soviel alter Bausubstanz regelrecht erschlagen. Zacatecas ist eines der Silberzentren Mexicos, wo wir uns eine der aeltesten Silberminen Mexicos angesehen haben. Man konnte einen guten Eindruck bekommen, wie die Indigena unter unmenschlichen Bedingungen fuer die spanischen Besatzer geschuftet haben, um deren Reichtum zu mehren und ihre Kriegskassen fuer Europa zu fuellen.
Da waeren wir uebrigens bei einem Thema, das uns seit einiger Zeit sehr beschaeftigt. Die Kontraste zwischen Arm und Reich und zwischen der Land- und Stadtbevoelkerung hier sind unglaublich gross. Waerend die alten restaurierten Stadtkerne durchaus mit suedeuropaeischen Staedten konkurrieren koennen und vieles westlich und zum Teil sogar sehr luxurioes wirkt, lebt die Landbevoelkerung ueberwiegend in erschuetternder Armut und Unbildung. Es ist unser taeglich Brot zu erklaeren, dass Deutschland in Europa liegt und das Deutsch eine andere Sprache als English ist. Wir haben aber immer wieder ruehrende Begegnungen mit ganz armen Menschen, die mit uns "reichen" Westlern ihr Abendbrot teilen. Allerdings sind nicht alle nur freundlich, gerade auf dem Weg nach Durango erlebten wir den ebenso vorhandenen Antiamerikanismus in Form argwoehnischer Blicke und "Gringo" Rufen. Da die USA das auf der Welt einzig denkbare Ausland darstellen, ist es zweifellos klar, dass wir Amis sind.

Sehr auffaellig ist die weisse Dominaz in allen sozial hoeheren Bereichen der Gesellschaft. Waehrend man auf den Strassen fast ausnahmslos Mestizen oder Menschen mit eindeutig indigener Abstammung sieht, werden die Medien und die Politik nur von hellhaeutigen Menschen europaeischen Ursprungs dominiert. Erstaunlich ist auch, wie auf beiden Seiten (arm und reich) diese krassen Gegensaetze als gewissermassen gottgegeben hingenommen werden.

All diese Kolonialstadte, aber auch winzige Ortschaften haben meist praechtige Kirchen, und die Macht der Kirche hier ist fuer uns auch eine neue Dimension. Es beruehrt uns zu sehen, wie junge Menschen mit einer Demut auf die Knie fallen und inbruenstig in einer Kirche beten, deren Waende aggressivste anti-Abtreibungspamphlete (von Juan Paolo II unterzeichnet) zieren. Auf der Strasse trifft man dann die gleichen jungen Maedchen, die eigentlich selbst noch Kinder sind, mit ein bis mehreren Saeuglingen auf dem Arm. Kinder, die im guenstigsten Fall neun Schuljahre in einem sehr maessigen Schulsystem erleben werden. Da macht man sich schon so seine Gedanken...

Mitglieder der Kirche haben hier aber auch was bewegt: Gestern waren wir in Dolores Hidalgo, wo ein Priester namens Migel Hidalgo 1810 die Unabhaenigkeit Mexicos von Spanien verkuendete.

Morgen geht es weiter nach Queretaro, wo die noch heute gueltige mexicanische Verfassung 1824 in Kraft trat. Der Nachteil an so viel geschichtstraechtigen Orten ist die Besiedlungsdichte und der Verkehr, der das Radfahren zur laestigen und nicht ungefaehrlichen Pflichtuebung degradiert.
Ganz liebe Gruesse, Eure Zadig und Annette

Aus der 22 Millionen Stadt (Mi, 01.02.06)
Wir gruessen herzlichst aus der Stadt mit dem grauen Smog-Himmel,
aus der Stadt, in der es nicht auffallen wuerde, wenn sich ploetzlich alle Berliner hier befaenden (vorausgesetzt, sie verteilen sich gleichmaessig, ist ja klar). Berlin waere leer, hier weiss man aber nicht genau, ob diese Stadt nun 22 oder 25 Millionen Einwohner hat.

Klar, wir sind in Mexico City. Der letzten und gigantischsten Stadt unserer Staedte-Radreise im mexikanischen Hochland. Seit San Miguel de Allende (der letzten Mail) ist das Radfahren nicht spannender geworden. So ziemlich jeder km war zum Abgewoehnen. Weil bei zwei Lastern auf der Strasse nebeneinander der asphaltierte Bereich komplett ausgenutzt ist, sind wir viele km neben der Strasse im Sand dahingeduempelt. Zusaetzlich haben wir uns die dickste Schote der Reise geleistet: Wir hofften auf etwas Ruhe, als eine Spur der der Strasse wegen Bauarbeiten gesperrt war. Wir fuhren auf der bereits neu asphaltierten Spur froehlich und mit sicherer Distanz zu den Lastern dahin, winkten den Bauarbeitern freundlich zu und wurden ebenfalls gegruesst. Am Ende der Baustelle mussten wir uns irgendwie wieder in den Verkehr einfuegen. So konzentrierte ich mich als voranradelnder natuerlich auf die herandonnernden Trucks. 10 m vor dem Ende der Baustelle rollte das Rad ploetzlichst ueberhaupt nicht mehr und wir beide konnten gerade kurz vor dem Umkippen aus den Pedalen klicken. Sofort waren wir mit der Haelfte des Schuhs im frischen Asphalt versunken. Waehrend ich den Verkehr im Auge hatte, ist mir entgangen, dass der letzte Teil der Baustelle wirklich noch eine Baustelle ist und wir im frischen Asphalt unsere Reifen und Fussabdruecke hinterlassen haben! Die Jungs von der Baustelle waren natuerlich wenig begeistert, dass wir ihren Feierabend versaut haben und wir haetten uns eigentlich gerne gleich total im Asphalt eingegraben....

Nun ja, was macht man nicht alles, um sein Kultur-Banausentum der letzten Radreisen etwas abzulegen.
Allerdings: Am Besichtigungsteil ist auch wirklich gar nichts auszusetzen. Wir haben uns Tula, die Stadt mit den Atlanten und Teotihuacan, die erste sehr grosse Stadt hier im Hochland, angesehen. Um 200 v.Chr. bis 300 n.Chr. haben in Teotihuacan bereits ueber 130.000 Menschen gelebt, die Amerikas groesste Pyramiden gebaut haben, welche wir bestaunt und bestiegen haben. Tula war die zweite grosse Stadt und das Zentrum der Toltecen. Diese waren die so etwas wie die Vorgaenger der Aztecen, deren Hauptstadt Technotitlan nicht so richtig besichtigt werden kann, denn die Spanier haben es platt gemacht und quasi auf den Truemmern Mexico City errichtet.

Zur Strafe versinkt das Zentrum von Mexico City jetzt so langsam im weichen Grund und im Smog, denn eigentlich war alles hier mal ein See mit wundervollem Ackerland. In dieser Stadt kommt schon ein Gefuehl wie im Rattenkaefig auf, dennoch gibt es natuerlich auch hier eine Unmenge zu bestaunen, darum habt ihr auch waehrend unseres vier taegigen Aufenthaltes nichts von uns zu hoeren bekommen. In diese Stadt rein und wieder raus zu kommen, ist auch eine Geschichte fuer sich, die wir aber ein anderes Mal erzaehlen, denn in 5 Minuten holt uns das Taxi ab, dass uns zum Busbahnhof bringt. Hoffentlich geht alles gut, bis bald,
Eure Annette y Zadig

Nachtrag (Do, 02.02.06)
Liebe Familie, Freunde und Reisebegleiter,
die letzte mail wurde etwas abrupt vom ankommenden Taxi unterbrochen. So konnten wir gar nicht erklaeren, warum wir ueberhaupt nach Mexico City gefahren sind, denn eigentlich wollten wir ja nie in diese riesige Stadt. Was den Verkehr angeht eine weise Entscheidung. Aber wie sich vielleicht einige erinnern, haben wir ja bei unserem weihnachtlichen Bussgang nach San Javier auf der Baja California drei mex. Radreisende kennengelernt, die uns in ihren Lufkurort Mexico City eingeladen haben. Aus diesem Grunde haben wir uns dann doch umentschieden. Von der Ausgrabungsstaette Teotihuacan waren wir verkehrstechnisch so am Ende unsere Nervenkraft angekommen, dass wir dankbar waren, auf den Bus umzusteigen.

Die vollgepackten Raeder passten auch problemlos in die Ladelucke und aufgrund des doch erheblichen Gewichtes der Raeder war ein raeuberischer Uebergriff auf unser Eigentum recht unwahrscheinlich. Wir sind dann durch ein schier endloses Meer aus nicht grade komfortablen Wohnvierteln gefahren und haben mit recht schockierter Faszination beobachtet, wie das Blau des Himmels langsam verschwandt. Am Busbahnhof angekommen haben wir zum Glueck ein Taxi mit prima mex. Dachgepaecktraeger fuer Fahrraeder gefunden (siehe Bilderalbum).

Die Familie von Andres unserem Gastgeber lebt in einem der aeltesten Viertel von Mexico City. Viele heutige Stadtteile waren vor gar nicht so langer Zeit alles einzelne Doerfe, bis in den 60iger und 70 iger Jahren die Stadt nahezu explodiert ist und wohl anbeblich bis zu 2000 Menschen pro Tag dazuzogen! Dennoch ist die Stadt auf jeden Fall eine Reise wert und es gibt viel, fast zu viel anzusehen. Wir haben natuerlich nur einen Bruchteil gesehen, da es nebenbei noch die Hinteradfelgen auszutauschen gab. Der Radladen hat uns fast am meisten umgehauen, denn dieser liess keinen Wunsch offen. Was mir eigentlich etwas unklar ist, denn Radfahren ist in dieser Stadt ein Selbstmordunternehmen. Nach vier Tagen haben wir die Stadt wieder so verlassen, wie wir gekommen sind, nur in einer anderen Himmelrichtung.

Das war´s im Groben, alles Gute, geniesst die berliner Luft, denn die ist wirklich dufte!!!
Eure Zadig und Annette

P.S.: fuer Interessierte noch einige Bildchen im Anhang.

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Hoch oben ist die Luft duenn (Di, 07.02.06)
Hallo liebe Leute daheim,
es gibt mal wieder einiges zu berichten, was uns so wiederfahren ist. Wir haben eines unserer grossen Ziele bzw. Traeume dieser Reise verwirklicht und sind auf Mexicos hoechsten und Nordamerikas dritthoechsten Berg, den Pico de Orizaba (Citlaltépetl) gestiegen. Aus diesem Grunde haben wir seit Alsaka steigeisenfeste Bergschuhe im Reisegepaeck und so manches Mal haben wir uns - insbesondere an schweisstreibenden Anstiegen - gefragt, ob diese extra Kilos wirklich eines Tages zum Einsatz kommen.
Den Pico de Orizaba findet man ca. 200km suedosetlich von Mexico City, welches wir sicherheitshalber wieder per Bus verlassen haben. Im Ort mit dem klangvollen Namen Tlachichuca, dem Ausgangspunkt der Besteigung, hatten wir uns mit Jutta aus Deutschland verabredet. Jutta haben wir erstmals in Moab, Utah im September getroffen und damals bereits ueber eine eventuelle gemeinsame Besteigung dieses schoenen Vukankegels gesprochen. Jutta ist eine Lehrerin, die waehrend ihres Sabbatjahres per Motorrad die Gegend unsicher macht und nicht nur wegen ihrer beeindruckenden bergsteigerischen Faehigkeiten und Spanischkenntnissen eine gewaltige Unterstuetzung fuer dieses Unternehmen darstellte.

Der Berg stellt, wenn man mal von der Hoehe absieht keine groesseren Schwierigkeiten dar, auch wenn mir (Annette) beim Gedanken an bis zu 40 Grad Steileis am Gipfelabschnitt ehrlich gesagt die Muffe ging. Wir haben uns jedoch nach einigem Ueberlegen gegen einen Bergfuehrer entschieden, weil die Wegfindung uns nicht als uebermaessig schwierig erschien. In Tlachichuca konnte man sich Steigeisen und Eispickel leihen. Diese Modelle waren vielleicht vor 20 Jahren in den Alpen im Gebrauch, aber noch funktionsfaehig. Wir sind dann am ersten Tag auf eine Berghuette (das ist hier nicht so wie in den Alpen mit Huettenwirt und so, sondern nur ein gemauertes Haus mit etwa 30 Schlafplaetzen) auf 4260 m gelatscht und haben schon mal Hoehenluft geschnuppert. Besonders ich hatte so meine Bedenken mit meiner Hoehentauglichkeit, da ich vor 5 Jahren in Bolivien bereits auf 4500 m mit erheblichen Symptomen der Hoehenkrankheit zu kaempfenn hatte.

Viel geschlafen haben wir alle in dieser Nacht nicht, genaugenommen haben wir eigentlich gar nicht geschlafen, denn um 1:00 Uhr hiess es raus aus dem Schlafsack. Kurz nach 2:30 Uhr haben wir uns dann im Schein unserer Headlights den Weg durch Felsschroffen nach oben gesucht. Der Weg war jedoch relativ gut markiert und liess sich problemlos finden, was uns allen im Vorfeld doch etwas Kopfzerbrechen bereitet hatte. Irgendwann wurde es so eisig, dass die Steigeisen ran mussten und wir uns auf dem doch recht steilen Schneekragen des Gipfelkraters befanden. Als wir eine Hoehe von 5100 m ueber Meeresstiegel erreicht hatten, gingen bei Zadig und mir doch langsam die Lichter aus und es wurde fast noch dunkler. Von Magen und Darmbeschwerden geplagt bewegten wir beiden "Supersportler" uns im Schneckentempo bergauf, waehrend uns die 18 Jahre aeltere Jutta scheinbar muehelos haette entschwinden koennen. Als die Sonne aufging und das Wolkenmeer unter uns rosa angestrahlt wurde blieb uns zusaetzlich der Atem weg, ein unglaublicher und erhebender Anblick. Nach 5:40 h erheblicher Schinderei hatten wir den Gipfelkrater erreicht und hatten eine Hoehe von 5610 m oder 5740 m erreicht. Die Hoehenangaben varieren leider erheblich, je nach Landkarte, die man zu Rate zieht. Juttas Hoehenmesser zeigte jedoch 525 mbar an, waehrend unser Hoehenmesser fuer solche Hoehen nicht ausgelegt, am Anschlag der Skala war. Wir hatten also gerade mal die Haelfte vom Normaldruck auf Meereshoehe und dass ist ehrlich gesagt, als ob jemand einem die Energiezufuhr gekappt hat. (Unglaublich, dass Menschen ohne zusaetzlichen Sauerstoff auf 8000er steigen!)

Nach einer kurzen Gipfelrast machten wir uns dann auf den Abstieg und das Malheur nahm seinen Lauf. Durch Sauerstoffmangel und Muedigkeit benebelt, rutschte ich aus und kam in 40 Grad Steileis natuerlich ganz gut in Fahrt, bis es mir schlussendlich gelang, der Rutschpartie ein Ende zu bereiten. Leider ist bei dieser Aktion unsere schoene Digitalkamera, die Euch bis jetzt immer mit Bildmaterial versorgt hat, kaputt gegangen und sogar die SD-Card ist, wie wir gestern mit Bestuerzen feststellen mussten, hin. Gluecklicherweise ist mir jedoch nichts Schlimmeres passiert und der weitere Abstieg verlief dann problemlos. Trotz dieses etwas betrueblichen kleinen Unfalls war die Unternehmung Orizaba fuer alle Beteiligten ein riesen Erlebniss und ein grosses Highlight im wahrsten Sinne des Wortes!

Wir sind jetzt in Oaxaca, das wir vom Pico de Orizaba ebenfalls mit dem Autobus erreicht haben, denn unsere Nerven im Bezug auf den Verkehr sind in den letzten Wochen sehr duenn geworden. Ab hier soll es aber verkehrstechnisch deutlich besser werden. Uebermorgen geht es dann endlich nach langer Radabstinenz weiter Richtung San Cristobal de las Casas.
Viele liebe Gruesse, Eure Zadig und Annette

P.S.: Wir haben uebrigens vor einigen Wochen schon einen Rueckflug von Panama-City gebucht und am 26.04.06 wird unser schoenes Abenteuer in Berlin-Tegel enden.

Letzte Bilder (Do, 09.02.06)
Liebe Freunde und Familie,
Ihr koennt Euch wahrscheinlich die letzten Bilder unserer Reise im Internet von unserem Orizaba-Abenteuer ansehen. Jutta war so nett und hat ihre Bilder entwickeln und auf CD brennen lassen. Ihr ahnt gar nicht, wie uns der Verlust der Digicam schmerzt, aber wir haben ja noch die Dias, mit denen wir Willige mit Freude in den naechsten Herbst- und Wintermonaten quaelen koennen.
Lasst es Euch gut gehen und rutscht nicht aus, es koennte teuer werden!
Gruss,
Annette und Zadig

San Cristobal de las Casas, Chiapas (Sa, 18.02.06)
Liebe Familie, Freunde und Reisebegleiter:
Seitdem wir uns in den letzten vier Wochen mehr zu Staedtereisenden, Busfahrern und Bergsteigern verwandelt hatten, haben wir in der vergangenen Woche seit Oaxaca endlich mal wieder einige Kilometer gekillt. Wie erhofft wurde das Radfahren hinter Oaxaca etwas ertraeglicher. Nicht, dass die Strassen signifikant breiter waeren, aber der Verkehr ist einfach kein Vergleich zur Gegend um Mexico City. Von Oaxaca ging es erstmal ordentlich bergab Richtung Pazifik, unbegreiflicher Weise wartete aber auch jeden Tag mindestens ein schweisstreibender langer Anstieg. Da wir uns mittlerweile suedlich des 17. Breitengrades befinden, brutzelt die Sonne mit einer fuer uns ungekannten Intersitaet.

Seit langem haben wir auch mal wieder wild gezeltet, allerdings mit gemischten Gefuehlen. Erstens sind die vielen unbekannten Tropengeraesche waehrend der Nacht auch etwas unheimlich, zusaetzlich spukte uns immer die Wahrnung des Reisefuehrers im Kopf herum, dass man in den suedlichen Provinzen Mexicos nicht unbedingt wild zelten sollte und zu allem Ueberfluss aengstigte uns auch noch ein Riesengluehwuermchen im Baum, oder waren es doch die Spaehtrupps der Drogendealer? Passiert ist natuerlich nichts, wir sind sogar nachts nochmal zur Abkuehlung im Fluss untergetaucht. Nur ein streunender Koeter hat uns nachts mehrmals laut bellend besucht. Dieser liess sich allerdings ganz gut mit fliegenden Steinen in Schach halten.

Vom Pazifik haben wir leider nichts gesehen, da die Strasse in gebuehrender Entfernung von der Kueste verlaeuft. Dafuer wehte ein ordentliches Lueftchen (besser: ein uebelster Blasius), welches das Radfahren nahezu unmoeglich machte. Wir fuehlten uns doch stark an Patagonien erinnert. Weniger patagonisch ist allerdings die Vegetation: Kokospalmen, Dattelpalmen, Mangobaueme und Papajastauden stehen am Wegesrand, Bananenstauden sind da ja schon regelrecht langweilig. Auch die Doerfer sehen durch die Farbenpracht der Blueten viel schoener und weniger trostlos aus als im Norden.

Von der Hauptstadt der Provinz Chiapas, Tuxla Gutierrez, aus haben wir uns dann noch mal ein kleines radfahrerisches Highlight gegoennt, bzw. mussten wir uns mangels Alternativen goennen. Von 400m ueber dem Meeresspiegel ging es in knackigen 60 km hinauf auf 2400m. Die ersten 20 km war die Strasse schnurgrade in einen schattenlosen Suedhang gebaut und wir fuehlten uns dem Hitzeschlag schon recht nahe. Gerade als wir uns schon wie eine Art Doerrobst dahinschrumpeln sahen, tauchte aus dem Nichts eine sehr traurige Indigena-Familie auf, die aber sehr willkommene Erfrischungsgetraenke feilboten, deren Temperatur fast als kuehl bezeichnet werden konnte. Es kommt schon fast Doping gleich, wie eine Cola eine Hitzeleiche wieder in einen Radfahrer verwandelt...

Im Moment geniessen wir die wunderschoene Stadt San Cristobal de las Casas. Hier in der Gegend gab es vor etwa zehn Jahren einige Unruhen, als die sogenannten Zapatisten fuer mehr Rechte der Indigenas kaempften. In der Kathedrale von San Cristobal wurden damals die Verhandlungen zwischen den Zapatisten und der mexicanischen Regierung gefuehrt. In der Stadt selbst ist es jetzt wieder sehr tranquilo und fuer die vielen Touristen werden T-Shirts mit revolutionaeren Parolen der Zapatisten verkauft. Wir tanken hier zwei Tage Kraefte und Mut, um uns morgen auf den Weg Richtung der Maya-Ruinenstadt Palenque und dann an den Grenzuebertritt nach Guatemala zu machen. Drueckt uns die Daumen, dass alles gut laeuft, den zwischen den Staedten wird schon ab und zu mal ein Touristenbus ueberfallen...
Liebe Gruesse,
Eure Annette und Zadig

Flores, Guatemala (Di, 28.02.06)
Liebe Familie, liebe Freunde, liebe www-Reisebegleiter:
Seit wir vor zehn Tagen die fuer uns schoenste Stadt Mexicos - San Cristobal de las Casas - verlassen haben, bot fast jeder Tag fantastische Hoehepunkte. Auf dem Weg nach Palenque erreichten wir nun wirklich die tropischen Waelder. Seit der californischen Kueste suedlich von San Fransisco haben wir endlich wieder richtige Fluesse gesehen. Es ist alles wie im Tropenhaus des Botanischen Gartens. Die Wasserfaelle bei Agua Azul und Misol-Ha sind so paradisisch als ob sie extra fuer einen tropischen Badespass angelegt wurden. Ein Sprung ins Wasser oder eine Dusche ist hier auch immer willkommen. Es ist hier so schwuel, dass an bewoelkten Tagen trotz 27-30 Grad Lufttemperatur die Waesche nicht trocknet, sondern dauerfeucht auf der Leine haengt. Auch ein neues Klimaerlebnis fuer uns! Zudem sind wir jetzt auch im Maya-Land. Grosse Pyramiden haben wir ja bereits bei Teotihuacan gesehen, doch die alten Maya-Ruinen sind wegen ihrer Lage im undurchdringlich wirkenden Regenwald eine Klasse fuer sich: Palenque mit einer Art Observatorium und dem Krach der Bruellaffen aus dem angrenzenden Wald war toll.
Auch Bonampak, dass deutlich kleiner und weniger touristisch ist war den Besuch wert. Das besondere an Bonampak sind bunte Wandmalereien, die Einblicke in die streng hirarchische Maya-Welt geben, eine Art Maya-Comic: Die herrschende Elite ist wie so oft nicht gerade zimperlich mit Ihren Untertanen und Gegnern umgegangen, wie bei vielen alten Hochkulturen waren Menschenopfer Bestandteil der Zeremonien. Die Wandmalereien zeigen offensichtlich Leute mit gezogenen Fingernaegeln oder abgeschnittenen Fingerkuppen. Sehr huebsch als Wandverzierung! Zu den Riten der Selbstopferung gehoerte offenbar auch Zungenpiercing und Penisdeformation. Wirklich nette Bilder! Es zeigt sich jedoch deutlich, dass manch aktuelle Modeerscheinung bereits vor etwa 1500 Jahren hip war.

Unsere bisher absolute top-Maya-Site ist allerdings Yaxchilan. Hier gibt es keine Strasse, sondern man gelangt nur ueber eine 30-40 min. Bootsfahrt von Frontera Corozal flussabwaerts auf einem Urwaldfluss zu den Ruinen. Bereits ein Erlebnis an sich! Wir haben uns mit einem englischen Paar ein Boot geteilt und waren morgens die ersten. Durch enge Gaenge, deren Seiten mit Fledermaeusen behaengt sind, gelangt man auf den Hauptplatz von Yaxchilan. Die Ruinen sind nicht spektakulaerer als Palenque, aber die Tiere sind hier nicht nur zu hoeren, sondern auch zu sehen: Neben einem Tukanpaerchen (Das sind die ulkigen Voegel, denen eine Banane als Schnabel gewachsen ist) begegnete uns eine Bruellaffenherde. Einige sassen gemuetlich im Geaest rum und bruellten von Zeit zu Zeit schauerlich, andere hingen gemuetlich an ihrem Schwanz und knabberten genuesslich junge Triebe des Baumes. Krokodile haben wir auf dem Fluss leider nicht gesehen, nur unser Bootsfuehrer, ein Chol-Maya, hat mit seinen geuebteren Augen eines erspaet.

Der Fluss, auf dem man von Frontera Corozal nach Yaxchilan gelangt, bildet auch die Grenze zu Guatemala. Nach einer 30 min. Bootsfahrt (flussaufwaerts diesmal) gelangten wir zum gualtematekischen Grenzort Bethel (diese Orte sind auf den wenigsten Karten eingezeichnet). Von dort aus ging es in 140 ueberwiegend unasphaltierten Kilometern hierher nach Flores. Guatemala ist noch deutlich aermer als Mexico, die Menschen hausen unter aermlichsten Bedingungen und scheinen sich noch nicht vom 1996 beendeten Buergerkrieg erholt zu haben. Erschreckend ist allerdings die Unbildung der Menschen, viele haben scheinbar von der Existenz von Laendern wie Deutschland, Frankreich und Spanien noch nie gehoert. Wir koennten genauso erzaehlen, wir wuerden normalerweise auf dem Mond wohnen. Die selben Menschen schreiben aber SMS und bedienen Stereoanlagen.....
Morgen werden wir zu einem drei-taegigen Dschungeltrip zum Glueck ohne Raeder aufbrechen und hoffentlich noch mehr Tiere zu Gesicht bekommen.
Bis bald, lieben Gruss, Annette und Zadig

P.S.: Wir haben einige Bilder der oben beschriebenen Orte aus dem www gefischt. Die koennen zwar nicht mit unserer Camera mithalten, (natuerlich nicht, schnief!), aber einen kleinen Eindruck liefern sie hoffentlich dennoch.

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Utila, Islas de la Bahia, Honduras (Mi, 15.03.06)
Hallo liebe Leute,
lange haben wir nichts mehr von uns hoeren lassen, darum gibt es jetzt viel zu viel zu erzaehlen, aber keine Angst, wir versuchen uns kurz zu fassen. Die letzte Nachricht kam aus Flores, Guatemala, wo wir kurz entschlossen zu einer Dschungelwanderung aufgebrochen sind. In der Agentur hoerte es sich so an, als ob der Z und ich mit dem Guide alleine durch den Urwald latschen wuerden. Um so groesser unser Erstaunen, als uns am naechsten Morgen ein voll besetzter Minibus abholte, noch groesser unser Entsetzen, als sich herausstellte, dass die Insassen wirklich alle das Gleiche wie wir vorhatten. Unser RTL2 Dschungelcamp bestand neben uns aus einer sehr stummen, aber netten Franzoesin, einem slovenischen jungen Paerchen und einer dreikoepfigen slovenischen Familie, die sich vor allem durch den zuegellosen Einsatz von Erfrischungstuechlein und Zigaretten auszeichnete.

Die Wanderung mit insgesamt drei Mayaguides und vier bedauernswerten, klapperduerren Gaeulen fuer das Gepaeck und das Trinkwasser war aber ein tolles Erlebnis. Wir haben die nicht besonders erschlossene Maya-Site El Zots im Dschungel besichtigt (El Zots heisst auf Maya Fledermaus, weil aus einer nahen Hoehle jeden Abend innerhalb von fuenf Minuten Tausende dieser Blutsauger ausfliegen und regelrecht den Himmel verdunkeln), von deren hoechstem Tempel man in 30km Enfernung das hoechste Gebaeude von Tikal, der wohl beruehmtesten Maya-Staette, sehen kann. Dazwischen ein dichter Teppich von Baumgipfeln, unter denen wir in den kommenden zwei Tagen ordentlich abgeschwitzt haben. Dieses Klima laed wirklich nicht zum Wandern ein, aber der Wald ist fantastisch und wirklich ohne Pfad undurchdringlich. Ueber unseren Koepfen turnten so manches Mal Bruell- und Klammeraffen, und der Fuehrer erzaehlte uns viel ueber die unterschiedlichen Pflanzen und ihren urspruenglichen Einsatz als Heilmittel. In Tikal angekommen hatten alle Erfrischungstuechleinlosen einen interessanten Geruch angenommen und ich war sehr nahe dran, zu fragen, ob ich auch mal eins haben duerfte.... Weil bei dem Trip eine Digicam zugegen war, gibt es auch ein paar Bilder im Netz!

Von Flores fuehrte uns unser Weg ueber die paradisische Finca Ixobel bei Poptun nach Rio Dulce. Diese Finca muss erwaehnt werden, weil wir schon wieder einen Tag dort geblieben sind und Annettes Traum endlich mal reiten zu gehen nun doch noch auf dieser Reise wahr wurde. Bisher haben wir alle Reitangebote abgelehnt, weil es entweder zu teuer, zu langweilig oder beides war. Die Pferde der Finca sahen wie normale Pferde aus und nicht so fertig und abgemagert wie die vieler Bauern hier. Zudem wird ein Anfaenger wie Zadig nicht stundenlang im Schritt ueber breite Wege gefuehrt. Nein, ganz im Gegenteil nach wenigen Minuten wurde gefragt, ob wir etwas schneller wollen. Wir nickten und schon wurde galoppiert. Nach anfaenglichem Geruettel und Gehuepfe hatte sich der Z, der noch nie in seinem Leben auf einem Pferd gesessen hatte, an den neuen lebendigen Untersatz gewoehnt und zu meiner voelligen Fassungslosigkeit sah man von Zadig und seinem neuen Freund nur noch wirbelnde Hinterhufe und hoerte ab und zu mal einen Freudenjuchzer. Wir haben uns gleich die volle Packung gegeben und waren fast fuenf Stunden im Sattel. Die Begeisterung auf allen Seiten war gross, der Muskelkarter danach jedoch noch groesser....
Rio Dulce ist ein richtiger Urwaldfluss in dem aber unzaehlige Yachten aus Europa und Nordamerika ankern. Daneben staken oder paddeln die Einheimischen mit Einbaeumen, was fuer ein Kontrast! Wir sind mit einer Lancha (offenes flaches Boot) den Fluss runter bis an seine Muendung nach Livingston gefahren, weil wir hofften, von dort ein Boot nach Utila, einer Insel der Bay Islands in Honduras zu bekommen. Leider stellte sich das als finanziell sehr unguenstig heraus. So sind wir letzendlich hier nach Utila durch eine Kombination aus Radfahren, Bus und Faehre gekommen.

Warum nach Utila? Weil man hier auf Utila so guenstig wie sonst kaum auf der Welt Tauchen lernen kann und das auf einer Karibikinsel. Und damit sind wir auch seit den letzten vier Tagen beschaeftigt. Utila ist eine vornehmlich englischsprachige Insel, die vom Tauchen lebt. Das Wasser ist fantastisch, wirklich so wie auf Werbebildern von der Karibik und wir haben schon viele tolle Fische und Korallenriffe gesehen. Es bedeutete vor allem fuer mich schon eine gewisse Ueberwindung in diese Tiefen hinabzugleiten, aber es ist ein bischen wie Fliegen im endlosen Blau des Wassers, wenn ich nicht immer so eine Sorge haette, dass ploetzlich keine Luft mehr aus dem Tank kommt....

Der absolute Knueller war aber was die Tierwelt angeht ein Schnorcheltrip zu Walhaien, den wir gleich nach unserer Ankunft unternommen haben. Wir waren uns unseres Glueckes wohl kaum bewusst, denn wie wir jetzt nach vier Tagen wissen sind die freundlichen Riesen nicht jeden Tag hier und viele warten seit Monaten auf eine Begegnung mit einem Walhai. Doch kaum schlingerten wir mit dem Boot 20-30 min. durchs Meer kam vom Black-Caribbien-Captain das lautstarke Kommando: "Get in tha fuckin water, fast!!". Er hatte einen dieser Giganten (6-8 m) aufgespuert und wir sahen ihn ploetzlich drei bis fuenf Meter vor uns im Wasser treiben, wie suerreale Erscheinungen, die leider nach wenigen Minuten im endlosen Blau verschwanden.
So jetzt habe ich aber genug geschwaermt, wir werden hier noch ein paar Tage tauchend und relaxend verbringen und dann zuruck zum Festland und zur Realitaet, die in Honduras leider etwas bedrueckend ist, denn die Armut macht die Menschen hier scheinbar sehr misstrauisch. Leider neigt sich unsere wunderschoene Reise auch dem Ende zu, so dass wir uns sputen muessen oder eine gewisse Strecke Busfahren, um Panama noch rechtzeitig zu erreichen.
Viele liebe Gruesse, Euere Zadig und Annette

Fotos vom Tauchen (Do, 23.03.06)
Liebe Fotogucker,
wir haben uns vor zwei Tagen eine Digitalcamera zum Tauchen ausgeliehen und einige Bilder unterwasser geknipst. Ihr koennt Euch einige unter dem bekannten Fotolink ansehen. Wie Ihr seht ist es ziemlich blau da unten. Es hat sich jedenfalls wirklich gelohnt, zwoelf Tage hier zu bleiben: Wir haben jetzt fuenfzehn Tauchgaenge und sind PADI zertifizierte "Advanced open water diver". Ab morgen ist dann Schluss mit der Suche nach Moraenen, Schildkroeten, Rochen und dem sonstigen tropischen Treiben unter Wasser. Wir fahren ueber der Wasserlinie weiter, welches bei dem Klima hier kaum weniger feucht sein wird...
Bis bald,
liebe Gruesse,
Eure Annette und Zadig

Passwort: azcycle
Login gültig bis: Unbefristet
Link: http://fotocenter.daybyday.de/login/guest/index.html/533219997/3514478132900/493734

Oh, wie schoen ist Panama! (Mo, 10.04.06)
Hallo liebe Familie, Freunde und Reisebegleiter!
Wir sind in letzter Zeit sehr schreibfaul geworden, allerdings boten sich auch nicht so viele Internetgelegenheiten, sorry! Mittlerweile sind wir bereits in Panama eingeradelt und befinden uns gerade in einem karibischen Paradiesarchipel namens Bocas del Toro.

Von Utila aus haben wir aus Zeitgruenden gute 500km mit dem Bus uebersprungen. Ab der Hauptstadt von Honduras Tegucigalpa sind wir dann Richtung Nicaragua gestrampelt. Die Karibikkueste von Honduras hat uns leider nicht besonders gefallen (die Inseln sind eine Ausnahme), denn mittelamerikanische Klischees treten zu offensichtlich hervor: Noch immer leidet die Region an den Folgen von Hurrikan Mitch (1998!!), da korrupte Politiker viele internationalen Gelder veruntreuen. Das verstaerkt die Perspektivlosigkeit grosser Teile der Bevoelkerung und den riesigen Kontrast zwischen Arm und Reich. Als Ergebnis erlebten wir ein unschoenes Klima latenter Agression. Jede kleine Fast Food Filiale wird von einem Milchbarttraeger mit grosser MP bewacht. Viele Herren der Schoepfung praesentieren sich mit Pistole, die sie laessig zwischen Bauch und Guertel einklemmen. Nach Sonnenuntergang sind die Staedte wie ausgestorben und es wird zum echten Problem, etwas zu Essen aufzutreiben. Zwar war die Stimmung hinter Tegucigalpa im Inland viel netter, dennoch waren wir sehr froh, endlich Nicaragua erreichen zu koennen. Endlich liess die Anspannung und die Angst vor Ueberfaellen, die uns seit Chiapas in Mexico begleitet hatte, etwas nach. Diese wurde naemlich durch diverse Horrorberichte anderer Reisender genaehrt und ist nach unserer Meinung der groesste Nachteil am Radreisen in diesen Laendern.

Nicaragua ist ein wunderbares Land, vielleicht sogar unser Lieblingsland von Mittelamerika und das nicht nur, weil wir endlich mal ins Fernsehen gekommen sind, nachdem uns unverschaemter Weise Hollywood dann doch noch eine Absage erteilt hat.....
Nein, im Ernst wir hatten die Gelegenheit zusammen mit einem anderen deutschen Reiseradler, den wir bereits beim Tauchen auf Utila getroffen haben, ein Interview ueber unsere Reise, ueber unsere Erfahrungen und unsere Motivation fuer das nicaraguanische Nationalfernsehn zu geben. Aufregender Weise natuerlich auf Spanisch!

Trotz der auch allgegenwaetigen Armut dieses vom Buergerkrieg geschundenen Landes zeichnet sich Nicaragua durch eine sehr freundliche und zum Teil vergleichsweise gut informierte Bevoelkerung aus. Auch wenn wir erfahren durften, dass viele Campesinos (Bauern) glauben, dass alle Weissen aus einem grossen Land namens Gringolandia kommen, alle eine Maschine zur Geldherstellung in der Kueche haben, aber trotz ihres masslosen Reichtums ziemlich bloede sind, was sich ja zweifelsfrei in ihrem fehlerhaften Spanisch zeigt. Richtig sprechen kann ja schliesslich jedes Kind.

In Nicaragua haben wir u.a. vier Tage auf der paradiesischen Isla de Ometepe verbracht, eine Vulkaninsel im Lago Nicaragua und angeblich die groesste Suesswasserinsel der Welt. Auf dieser Insel gibt es definitiv mehr Pferde als Autos und man hat das Gerfuehl, um wenigstens hundert Jahre zurueck versetzt zu sein. Auf mein Betreiben hin, haben wir den hoehren (1610 m) von zwei Vulkanen ersteigen. Eine Aktion, die ausser exzessiven Schweissverlust und einem moerderischen Muskelkater leider aufgrund schlechter Sicht keinen weiteren Erlebniswert hatte... Mit einer abenteuerlichen Faehre, die zweimal pro Woche faehrt, sind wir dann ueber Nacht Richtung Costa Rica geschaukelt.

Wir hatten im Vorfeld nicht viel Positives ueber Costa Rica gehoert: zu weiss, zu amerikamisch, zu viele Touristen und vor allem zu viel Truckverkehr auf zu engen Strassen. Das Alles ist nach unserer Erfahrung auch zutreffend, insbesondere letzteres. Zutreffend ist allerdings auch, das Costa Rica ein Paradies fuer Tierfreunde ist. Reich geworden durch Bananen und Cafe leistet sich dieses Land weitreichende Schutzprogramme fuer Flora und Fauna. Ein Drittel der Landesflaeche steht unter Schutz. Bananenplantagen und Naturschutzgebiete wechseln sich ab. Selbst von einer stark befahrenen Strasse voller Chiquita-LkWs kann man Massen an farbenfrohen unterschiedlichen Vogelarten ausmachen. Wir kamen jedenfalls aus dem Staunen nicht raus und eine zweistuendige Flussfahrt fuerte uns dann auch noch zu den Urviechern Kaiman und Krokodil und auch zu einem im Baum haengenden Faultier, wir waren begeistert!!!

Nach leider nur einer knappen Woche in Costa Rica folgte gestern dann der Grenzuebertritt nach Panama, unserem Zielland. Ueber eine schmale Eisenbahnbruecke aus dem Jahre 1908, auf der Holzbohlen ausgelegt sind, damit man gehen und Autofahren kann, haben wir unsere Raeder ueber die Grenze geschoben. Faszinierend ist, wie unterschiedlich all diese mittelamerikanischen Laender von ihrer Stimmung sind, die bei uns zu Hause ja oft unter dem Begriff Bananenrepubliken zusammengefasst werden. Wir werden noch zwei Tage hier in Bocas del Toro bleiben und morgen noch einmal die Unterwasserwelt erkunden. Dann folgt unser wirklich letzter Abschnitt nach Panama City (noch etwa 600 km), wo wir den beruehmten Panama Kannal mittels Bruecke ueberqueren werden.
Bis zur wahrscheinlich letzten Mail aus Panama City,
alles Liebe Eure Zadig und Annette

Letzte Durchsage (So, 23.04.06)
So Freunde, das wars dann wohl. Jetzt ist Schluss mit der staendigen Reiserei. Am 20.4. haben wir den Panama-Kanal auf der Puente de las Americas ueberquert. Damit sind wir quasi von Mittel- nach Suedamerika geradelt und haben unser Ziel Ciudad de Panama erreicht. Wir waren ja nicht ganz so strikt mit der Radelei wie vor fuenf Jahren in Suedamerika, sondern sind an einigen Stellen auch mal ins Auto oder den Bus gestiegen. Diese kombinierte Rad-Bus Reise war allerdings mit etwa 2000 km per Bus im Vergleich zu 17600 km auf unseren tapferen Raedern doch sehr radlastig...

Ja, unsere treuen Alu-Gefaehrten haben uns nie wirklich im Stich gelassen. Gluecklicher Weise haben wir immer rechtzeitig stark nachlassende Teile ersetzt: Annettes Hinterrad-Nabe in San Franzisco, beide Hinterradfelgen in Ciudad de Mexico und natuerlich Ketten (sechs Ketten pro Pedalist) und Reifen. Ueber den Fehlkauf unseres zweiten Reifenpaares in Denver verlieren wir lieber keine Worte mehr (Ein paar ¡¿#*-Dinger waren das), denn die guten Schwalbe-Reifen aus San Franzisco haben bis jetzt vorzueglichst gehalten. Auf den 8700 km von Frisco bis jetzt hatte der Z genau 0 (in Worten: Null) Platten und Annette kaum erwaehenswerte drei (zwei davon auf den letzten 150 km). Dieser exzellente Hinterreifen namens "blaues Wunder" heisst allerdings wahrscheinlich deswegen so, weil es ein Wunder ist, dass ein einzelner Fahrradreifen so schwer sein kann.

Nun, wir wollten eigentlich keine Materialverbrauchs-Liste in der letzten Mail verschicken, doch manche interessierts ja vielleicht.
Zum letzten Abschnitt: Nachdem wir in Bocas del Toro nochmal schoen in der Karibik tauchen waren, mussten wir erstmal rueber zum Pazifik kommen, denn auf der landschaftlich sehr attraktiven Atlantikseite (einmal sahen wir fuenf Tucane an einem Tag!!) gibt es leider keine Strasse. Doch in Panama kann man zum Glueck sogar mit dem Rad an einem Tag vom Atlantik zum Pazifik fahren, die Strecke war auch sehr sehenswert, doch zeichnete sie sich durch uebelste Steigungen aus, die bis auf 1300 m hochfuehrten. Bei mit Wasser vollstaendig abgesaettigter Luft und ueber 30 Grad lief bei uns der Schweiss in Baechen ueber den Koerper. Unsere Griffe waren dadurch so nass, dass wir von unseren Drehschaltgriffen abgerutscht sind. Das ist ziemlich laestig, wenn man in 14% Rampen nicht mehr in den ersten Gang schalten kann!
Die letzten 450 km sind wir dann auf der Panamerikana abgeritten. Einen Tag vor Panama City haben wir einen allerletzten Strandtag, diesmal also am Pazifik, eingelegt. Angenehm, denn im Meer oder Pool liegend ist die beste Moeglichkeit, bei diesem Klima zu existieren. Jetzt in der Stadt ist damit leider Schluss.

Gestern haben wir noch einen kleinen Radausflug ohne Gepaeck unternommen und uns die weltbeste Abkuerzung - den Panama-Kanal - angesehen. Mit den Arbeiten wurde etwa 1886 von den Franzosen begonnen, die kurz zuvor bereits erfolgreich den Suez-Kanal gebaut haben. Doch hier in den tropischen Klima waren sie nicht so erfolgreich und mussten Ende des 19. Jahrhunderts aufgeben. 1903 haben dann die USA Panama zur Unabhaengigkeit von Kolumbien verholfen, im Gegenzug durften sich die Amis dann zu ihren Bedingungen am Kanal versuchen. Das bedeutete: Der Kanal und eine 16 km breite Kanalzone gehoerte "auf Ewig" den USA. Das hat sich inzwischen geaendert, da sich Herr Carter 1979 mit dem damaligen Presidenten von Panama Herrn Trujillo darauf geeinigt hat, den Kanal am Ende von 1999 abzugeben. Der Kanal wurde 1914 in Betrieb genommen. Er liegt 26 m ueber dem Atlantik und Pazifik, d.h. auf jeder Seite werden die Schiffe hinauf zum Kanal geschleust. Das dazu noetige Wasser liefern mehrere Stauseen, von denen der groesste (Lago-Gatun) sieben Jahre lang (!) aufgestaut wurde. Die Auffuellung der Stauseen muss der ergiebige Tropenregen leisten. Um ein moeglichst grosses Auffangbecken des Regens zu haben wird der umliegende Regenwald geschutzt und ist ein weltberuehmtes Vogelparadies geworden. So verbinden sich hier ungewoehnlicher Weise auch mal Wirtschafts- und Umweltinteressen.

Inzwischen sind unsere Raeder schon in Kartons. Uebermorgen geht es los: Wir fliegen von hier nach New York und haben von dort einen Direktflug nach Berlin. Am 26.4. werden wir um 7.50 Uhr morgens mit Continental Airlines (Flugnummer: CO 0096) von New York kommend in Tegel landen.

Nach elf Monaten koennen wir zwar kaum fassen, dass unsere Reise nun wirklich vorbei ist, aber wir freuen uns auch auf Berlin, Deutschland, Europa; auf vieles, dass es hier eben nicht gibt. Vor Allem: kuehlere Temperaturen, leckeres Brot und unsere Familie und Freunde.

Wir bedanken uns sehr, sehr herzlich fuer Eure niemals abreissende Anteilnahme an unserer Reise. Wir haben uns ueber alle Mails von Euch sehr gefreut. Manchmal dachten wir, jetzt reicht es bestimmt vielen: Der Winter in Deutschland scheint keine Ende zu nehmen und wird langsam laesstig und die zwei Spassvoegel berichten dauernd von Abenteuern in den Tropen.
Wir freuen uns jedenfalls, wenn wir Euch ab und zu etwas unterhalten konnten. Vielleicht plant ja sogar schon jemand von Euch eine Reise in eines dieser Laender hier.
Viele liebe Gruesse zum letzten Mal aus Amerika. Zumindest fuer diese Reise ;-)
Eure Annette und Zadig