Nach den sehr zwiespältige Gefühle erzeugenden Schilderungen Tanjas (zum einen große Bewunderung für diese sehr beeindruckende Leistung, zum anderen große Beruhigung, nicht zu solchen Herausforderungen verpflichtet werden zu können und ein klein wenig Neid über dieses commitment) und vor den folgenden Berichten weiterer triathletischer Höchstleistungen aus Roth, Klagenfurt und Frankfurt engagierter Weltraumjogger, folgt eine Einschätzung eines neuen kleineren, aber feinen Triathlons im Süden Berlins.

Mit Tschingderassa-Bum bei tropischer Hitze an historischer Stätte:
Der 1. Altstadttriathlon in Berlin-Köpenick des SSC Grünau am 25.6.2005

 

Vorwort
Vielleicht gab es im vorherigen Jahrtausend mal eine Zeit, zu der mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden konnte, bei einigen Wettkämpfen keine oder wenige Weltraumjogger zu treffen. Dabei war das entscheidende Kriterium nicht die Entfernung vom Wohnort oder die Strapazen der An- und Abfahrt, sondern die zu erwartende Belastungsintensität des Wettkampfes. Dies ist mittlerweile Vergangenheit. Eine Generation leistungsbereiter und -fähiger Weltraumjogger lässt sich durch kein Streckenprofil, klimatische Besonderheiten oder andere Widrigkeiten mehr aufhalten. Rund um den Globus sind die "Space-Runners" bei außerordentlichen Performances zu bewundern. Mittlerweile scheint einen eher bei den kleinen regionalen "unterdistanten" Veranstaltungen das Gefühl des Seltenen zu begleiten.

Bericht
Eine solche Veranstaltung war der 1. Altstadttriathlon in Berlin-Köpenick des SSC Grünau am 25.6.2005. Um es vorweg zu nehmen, diese Veranstaltung kann aus meiner Sicht als insgesamt gelungen bezeichnet werden, und es ist zu hoffen, dass ihr ein anderes Schicksal vergönnt ist, als all die anderen vergeblichen bzw. aufgegebenen Versuche eine weiteres regionales Angebot für Kurz-,Sprint- oder Volkstriathleten/innen zu etablieren (erinnert sei an die Veranstaltungen der Tri-Finisher am Großen Fenster, von Sisu auf der Volxtri-Strecke oder in Lübars Mitte der 90er).
Natürlich ist eine Premiere zumeist mit einigen Holprigkeiten verbunden, aber das Engagement des SSC Grünau ist lobens- und unterstützenswert, d.h. vielleicht sollte im nächsten Jahr die oder der eine oder andere über eine Teilnahme nachdenken.
Zu den Fakten: Es gab zwei Angebote, einen Volkstri und eine Kurzdistanz. Der Wettkampfort war mit der S-Bahn (+ ca. 13 Min. Fußweg) gut erreichbar. Aufgrund der Streckencharakteristik war das Windschattenfahren erlaubt. Entsprechend wurde ein regelkonformer d.h. nicht überstehender Vorbau verlangt. Startzeit war gegen 10.50 (V'tri - ca. 100 Personen) bzw. 11.00 Uhr (OD - ca. 50 Personen) und damit auch für Menschen mit einem nachtaktiven Lebenswandel durchaus realisierbar. Die Streckenführung war ein Viereckkurs im Hafenbecken von ca. 782 m Länge, und Rundkurse von ca. 4,28 Km beim Rad und ca. 812 m bei Lauf mit der jeweils nötigen Zahl an Runden entsprechend des gewählten Wettkampfes auf einer jeweils völlig gesperrten Strecke für die jeweilige Disziplin.
Der direkt dem der Wirkungsstätte des Schusters Wilhelm Voigt gegenüberliegende Luisenhain (ca. einen ha große Rasenfläche) unmittelbar am Hafenbecken als Wechselzone brachte den Vorteil der kurzen Wege und einer zuschauerfreundlichen Offenheit. Überhaupt konnten Zuschauer aufgrund der vielen Rad- und Laufrunden das Wettkampfgeschehen durchgängig und unmittelbar mitverfolgen. Darüber hinaus wurden sie parallel zum Wettkampfgeschehen mit einer musikalisch untermalten schauspielerischen Darstellung der Ereignisse von 1906 erfreut.
Die Schwimmstrecke war übersichtlich und nur wenig gewellt, wenngleich die Wasserqualität eingedenk der sonstigen Nutzung als offizielle Wasserstraße etwas Skepsis erzeugte. Der Wasserausstieg über eine ca. 5 m Breite provisorische Wassertreppe ließ sich mit tatkräftiger Unterstützung bewältigen. Die Radstrecke war zumeist sehr gut asphaltiert, lediglich ein kurzes Stück (ca. 226 m) entlang der Wechselzone stellte durch das Kopfsteinpflaster und die Enge (ca. 1,54 m Breite) einige Anforderungen an die Disziplin (Überholverbot) und Konzentration der FahrerInnen. Die Laufstrecke durch die Altstadt war winklig, durchgängig asphaltiert bzw. mit einigen Kopfsteinpflasterpassagen versehen. Wie sich diese Bedingungen bei Laufhochgeschwindigkeiten auswirkten (1000m Zeiten < 4 Min.) konnte der Autor dieser Zeilen nicht in Erfahrung bringen, da er angesichts der Temperaturen von 34° C damit beschäftigt war, das Finisher T-Shirt zu erjoggen.

Das Teilnehmerfeld war durch die integrierten Berliner Meisterschaften der JuniorenInnen relativ leistungsstark, zumal auch einige etablierte Größen der Berliner Szene ihre Visitenkarte abgaben.
Als Schwächen der Veranstaltung können folgende Punkte festgehalten werden:
- nach Ende des Wettkampfes Abbau des Einstieg- bzw. Ausstiegspontons, folglich keine Möglichkeit einer postperformen Grundreinigung.
- Deutliche Schwierigkeiten bei der zeitnahen Computer gestützten Ergebnispräsentation mit weiterhin bestehender Interpretationscharakteristik ausgewählter Zeiten und Ränge
- Laufstrecke teilweise sehr winklig und uneben
- Mängel bei der Sicherung der Wechselzone vor unberechtigtem Zutritt oder gar Zugriff
Insgesamt dennoch eine gelungene Premiere mit Schwächen in einigen Details. Entsprechend werden sich im nächsten Jahr hoffentlich weitere W'jogger einfinden.
Ergebnisse unter: http://www.sscbg-triathlon.de/Altstadttriathlon/ergebnisse.htm

Knut Z