Um das Spektrum der Weltraumjogger nach unten abzurunden nachfolgend die Erfahrungen eines wirklichen Jedermanns:

Wettkampfausschreibungen - über die Bedeutung von Sprachregelungen .. oder: Was sollte man auf jeden Fall genau lesen.

Von Knut Zieße

Am kommenden Sonntag werden des Morgens wieder Hunderte in die Krumme Lanke steigen, nach spätestens zwei Stunden zumeist zufrieden, ja teilweise sogar stolz an ihrem Ufer ein Finisher Shirt in Empfang nehmen. Einige von denen werden so etwas zum ersten mal erleben, und das sie dies bei einer solchen Veranstaltung tun, zeugt auch von einem gewissen Respekt vor dieser Sportart.

Diese Menschen werden bis auf wenige Ausnahmen einen inneren Vergleich zwischen den eigenen Fähigkeiten und möglichen Herausforderungen letztendlich mit der Teilnahme an einem VOLKS- oder JEDERMANN-Triathlon beantworten. Wohl der oder dem, der diese Wahl in Berlin oder Umgebung getroffen hat!

Sollte jemand nämlich im malerischen Südhessen (genauer in Rüdesheim) auf der Suche nach einer derartigen Gelegenheit z.B. den Rieslingman (.5/19,5/5 - 32.-€; 1/39,5/10 - 38.- €; auch Staffeln) auserkoren haben, dann hat er hoffentlich die Ausschreibung sehr g e n a u gelesen.

Eigentlich steht dort alles was man wissen muss, vor allen Dingen über das Streckenprofil. Zudem deutet schon der erste Satz der zu akzeptierenden Erklärung auf das drohende Unheil hin: Ich bin körperlich fit und für den Wettkampf ausreichend trainiert.

Was für eine klare und dennoch hintersinnige Anforderung. Welche körperliche Fitness kann von einer Teilnahme an einem Jedermann-Triathlon schon verlangt werden?

Gut, sowohl Streckenführung als auch insbesondere das Höhenprofil sollte eine erste Vorstellung von den damit verbundenen Belastungen geben. Innerhalb von 6 Km eine Höhendifferenz von 225 Metern und nach einer kurzen Abfahrt dann nochmals über zwei Km eine Differenz von ca. 125 Metern sind für Kenner schon ein deutlicher Fingerzeig. Aber der entscheidende Hinweis ist erst in den Ergebnislisten der ersten zwei Austragungen zu finden. Die genaue Angabe der Abbrecherzahl! In diesem Jahr starteten 530 Teilnehmende über die Jedermann- bzw. Olympische Distanz. 125 (=ca. 23%!) von denen mussten erkennen, dass Zahlen und Angaben das Eine, jedoch die wattmäßige Umsetzung und die daraus erwachsende sinnliche Wahrnehmung etwas Anderes ist. Um es so zu sagen: Ja, die Anfahrt zum Grunewaldturm, das Postfenn oder gar die Radarstation sind durchaus spürbare Erhebungen. Aber für eine angemessene Vorbereitung auf eine solche Veranstaltung deutlich unterdimensioniert.
Noch einige Zeilen zum eigentlichen Geschehen.

Ausgehend von einer Einladung als Gegenbesuch des letztjährigen Berlinman schien dieser Wettkampf eine lohnende Erfahrung zu werden. (Was es ja auch war, wenngleich in einem anderen Sinne).

Die Wetterprognosen waren eher dürftig, aber das haben sicher auch die Spreewälder ertragen müssen. Immerhin, es regnete nicht.

Die Olympische startete in 6 Wellen, der folgende Jedermann in 3 Wellen mit je 75 Personen. In der Folge wurde über 2 Stunden jeweils gestartet und mitunter gefinisht.

Das Schwimmen in einem Rheinarm war auch trotz EHEC-Warnung angenehm, da der Wellenschlag auch bei erheblichem Wind kaum spürbar war und die Wassertemperatur mit ca. 22°C völlig ohne Neo zu ertragen war. Der akkurate Countdown half ebenso.
Der leider nicht völlig gesperrte Radsplit offenbarte eine für den Autoren völlig neue Erfahrung. Überholvorgänge spielten sich in Zeitlupe ab und auch danach entschwanden die schnelleren Radler für lange Zeit nicht aus dem Blick. Den Gedanken an Konterattacken sollte man jedoch gründlich mit der Herzfrequenz abgleichen. Das Dreifach-Kettenblatt war eine gute Entscheidung, da verschiedene Streckenabschnitte sonst nur unter Einbeziehung aller HIlfsmuskulatur zu bewältigen sind.

Außerdem musste man nicht ständig schalten und sich überlegen, welchen Gang man wählen sollte. Zwei genügten völlig. Auch die Tachoanzeige blieb übersichtlich, denn einstellige Zahlen sind eben einfacher zu lesen.

Die Laufstrecke führt am Rhein entlang, war entsprechend flach aber windanfällig und musste von Jedermännern 2x von Olympionikern 4x durchlaufen werden. Eine zuschauerfreundliche Planung.

Die Durchsicht der etwas zu spartanischen Ergebnisliste bestätigte die gesammelten Eindrücke: den Radsplit erledigte der Sieger beim Jedermann mit einem 30er Schnitt. Da zeitweise 60 Km/h bei der Abfahrt auf dem Tacho standen, wird nochmals deutlich wie sich der andere Teil der Strecke darstellte.

Nun denn, wahrscheinlich ist den Teilnehmern des Frankfurter Ironman die landschaftliche Finesse der Gegend bekannt. Zudem stellen für Sportler dieser Leistungsklasse solche Unbillen eher attraktive Herausforderungen dar. Und auch der Wiesbadener 70.3 verfügt über ein derartiges Potential, mit einigen erinnerungsträchtigen Steigungen (die der Autor jedoch in einem Kfz in Augenschein nahm). Wer jedoch nur mal kurz einen insgesamt gut organisierten Jedermann-Tri in der Gegend mit nehmen möchte, dem sei zuvor ein kleines Trainingslager z.B. im Elbsandsteingebirge angeraten.

Hier das ganze Bild: www.rieslingman.de