Bei idealen Wettkampfbedingungen stehen 5 Weltraumjogger am 3.7.2011 um 7 Uhr früh  im Strandbad Klagenfurt und haben das gleiche Ziel.
Swim
Sven:  Beim Schwimmen gab es dieses Jahr eigentlich nur eine Vorgabe, die erfüllt werden sollte – die 59:59 sollte fallen!

Also möglichst gut eigeordnet und nicht hinter irgendwelchen Brustschwimmern wertvolle Sekunden auf dem Weg in den Sog des Kanals verlieren. Aber erstens kommt es anders, zweitens als man denkt…
Startschuss – schnelles Anschwimmen, aber man kommt nicht weg und es wird immer enger. Rechts und links Konkurrenten die mich in die Zange nehmen, dann der erste Schlag mit einem Ellenbogen gegen die Brille, kurz schütteln weiter… Dann nur eine Minute später ein fulminanter Kick meines Vordermannes gegen mein Kinn und ich sehe Sterne. Um mich herum wüstes Schwimmgeprügel und keine Lücke in Sicht… Langsam steigt Panik in mir hoch und ich beschließe brustschwimmenderweise an die Seite zu schwimmen und mich erst mal zu sortieren. Soll der Wettkampf hier schon zu Ende sein!? Das kann´s ja wohl noch nicht gewesen sein! Also neu sortiert und wieder weiter. Dummerweise sind jetzt etliche langsamere Schwimmer vor mir und ich fange an mich Zick-Zack nach vorne zu kämpfen, was sich im Kanal als fast aussichtlos darstellt. Aber nach 1:09 irgendwas erreiche ich dann doch noch die Wechselzone 1. Den Auftakt hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt…

Steffen: Sonntag, 3. Juli 2011, 7:00 h. Der Telegrafenberg ruft. Der Wörthersee ist einfach das beste Triathlongewässer. Da stimmt Farbe, Temperatur, Geruch und Atmosphäre. Alle starten gleichzeitig. Nach der Segnung durch den Kärntner Oberpfaffen geht es los. Ich nehme die Position zwischen dem mittleren und dem linken Steg.  Nach dem anfänglichen Gedränge zieht sich das Feld nur langsam auseinander. Einige Kreuz- und Querschwimmer gehen mir auf den Nerv. Die Schulter ist nach einem Kilometer warmgelaufen und schmerzt nicht mehr. Nach der ersten Boje schwimme selbst ich eine große Kurve anstatt geradeaus. Die Villa wäre doch der richtige Orientierungspunkt gewesen. Nach der zweiten Boje liegen Segelboote quer in der Schwimmstrecke. Zu Beginn des Lendkanals werden wir von den Dieselabgasen eines Ausflugsdampfers begrüßt. Vor vier Jahren war das alles etwas entspannter. Mit 2 Minuten auf 100 m liege ich dennoch im Soll und mache mich auf den langen Weg zur Wechselzone.

Golo: Ich wähle für mich als Schwimmstart die hinterste Ecke und steige als letzter ins Wasser. Macht auch nichts, dass ich deutlich mehr als 3800 Meter schwimme, da ich mich immer rechts außen halte. Dafür  komme ich extrem entspannt beim Schwimmausstieg an.

Roland: warum ich für meine zweite Langdistanz wieder Klagenfurt gewählt habe liegt daran, dass hier das Schwimmen im wunderschönen türkisblauen Wörthersee sehr entspannt ist- eine idealer Einsteig in einen langen Tag......Der Schwimmstart verläuft über die  gesamte Breite des Strandbades (ca. 300 m) , zwischen 3 langen Badestegen,.wodurch sich bereits beim Start das Feld etwas auseinanderzieht. Über einem kreisen die Hubschrauber und der blaue Himmel verspricht bestes Wetter, wenn auch um 07 :00 Uhr morgens das Wasser noch wärmer als die Luft ist . Ich halte es wie Golo, will mich aus allen "Schlägereien zu Wasser" raushalten und begleite das Feld am äußeren Rand - wodurch ich insgesamt wahrscheinlich auch einige Meter mehr schwimme, dafür aber sehr schnell meinen Schwimmrythmus finde.  Die letzten 800 m im Lendkanal kann man sich dann sowieso nur noch sich treiben lassen . Diesmal gelingt es mir auch meine "Fans" am Wegesrand zu erblicken - das gibt den ersten Motivationsschub! Kurz vor dem Schwimmausstieg herrscht dann doch ein wenig Hektik hinter mir und ich bekomme einen kräftigen Tritt in die Wade -schönen Dank auch !! Mit Wadenkrampf humple ich aus dem Wasser - wie wird es jetzt wohl weitergehen ??

Petra: Ich habe mich für den rechten Startblock und dort für links hinten entschieden.  Kein anderer WJ ist in meiner Nähe und ich weiß nur, das Golo sich für ganz rechts außen hinten entschieden hat, denn er hat sich 2 Minuten vor dem Start von mir verabschiedet.
Nach dem Start ist erstmal Hundeschwimmen angesagt, denn ich will mit Brille und ohne blauen Flecken aus dem Wasser steigen. Rücksichtnahme und fairplay ist bei den meisten Triathleten leider aus der Mode gekommen  oder liegt es daran, dass
im Schwimmunterricht hauen und stechen vermittelt wird? Aber nach ein paar Minuten hat sich das Feld eingepaddelt und nur noch vereinzelte Schnellschwimmer, die wohl den Start verpasst haben versuchen einen Niederzuschwimmen, aber dank Jan, kann ich mich ja jetzt auch wehren;-))
Mein Fazit: Bin zwar nicht schnell, aber entspannt beim Schwimmausstieg!!!

BIKE:
Sven: Nach meiner Vorab-Besichtigungstour vor drei Wochen beim 5150 Klagenfurt mit Marino Vanhoenacker und dem ORF-Team musste ich meine ursprüngliche Sub6-Strategie realistischerweise nach unten korrigieren und 30 Minuten Bergaufschlag gewähren…  Zielzeit also Sub6:30!!!
Alles in allem lief es aber trotz der Berge erstaunlich gut. Und bergab muss ich halt die verlorene Zeit bergauf wieder aufholen. Masse läuft!!! Nur beim zweiten Mal über den Rupertiberg, war ich dann doch schon sehr froh, hinten das 28er-Ritzel drauf zu haben…  Und ganz ehrlich hätte ich auch nichts dagegen gehabt, nach der ersten Radrunden „nur“ noch einen Halbmarathon zu laufen.

Steffen: Das Wetter könnte nicht besser sein: kühl und trocken, leichte Schleierwolken verdecken ab und zu die Sonne.  Ich konzentriere mich auf einen zügigen Schnitt ohne zu überziehen. Nach dem ersten Anstieg zum Faakersee habe ich drei Flaschen am Mann und nur zwei Halter am Rad.  Die Wasserflasche wird geleert und locker über Bord geworfen.  Zwei Sekunden später taucht neben mir ein Motorrad auf und ich kassiere eine gelbe Karte für „Littering“. Der Stop in Schiefling ist eh geplant um meine ISG-Blockade (alle 50 km!) zu lösen.  Also kein wirklicher Zeitverlust.  Die Dame an der Penalty Box ist dann doch überrascht als ich ihre Bank benutze um meine Wirbelsäulenverrenkungen nebst lauten Knochenknacken absolviere.
Q: „Sagn’S, ist döss normahl?“
A: „Nein, aber wir sehen uns in 3 Stunden wieder!“
Am Rupertiberg lasse ich einige Eingeborene hinter mir. Warum trainieren die nicht in den Bergen vor ihrer Haustür? Wir haben solche Steigungen nicht in Berlin. Unter drei Stunden passiere ich den Wendepunkt.  Alles im Soll, jetzt locker und zügig weiterradeln ohne abzufallen. Die ISG Selbsttherapie sorgt auch bei den nächsten beiden Stops (Reifnitz/Schiefling) für ungläubige Gesichtsausdrücke, bringt aber eine Radrunde ohne Rückenschmerzen.  Die Abfahrt vom Rupertiberg wird für eine Verbesserung des Gesamtschnitts genutzt. Ich verrechne mich und bin nach 6:12 h früher als gedacht wieder in der Wechselzone. Alles im Soll oder leicht darüber, jetzt nur noch ein vernünftiger Laufschnitt …

Petra: Mittlerweile meine Lieblingdisziplin, aber so wie berichtet, geht es nach dem Rubertiberg nicht 35 km nur noch bergab. Das hat mich in der ersten Runde ganz schön geschockt und in der zweiten Runde fertiggemacht;-))

Golo: Ganz entspannt!!!!!!!

Roland: Überhaupt gar nicht entspannt!! Nachdem ich die erste Stunde wegen der verhärteten Wade ohne größeren Druck auf die Pedale beginne und relativ entspannt trotzdem  einen 30 er Schnitt habe, scheint mein Ziel eines 29 er Schnitts noch ralistisch. Aber dann - nach der Steigung am Faaker See werden meine Beine zu Pudding - Nach 90 km bin ich kurz vor der Aufgabe - habe einfach keinen Bock mehr! Irgendwann überholt mich Petra, die völlig frisch aussieht und mit wenigen Tritten in die Pedale an mir vorbeizieht  - aber nicht ohne mir aufmunternd zuzusprechen . Jetzt bin ich bestimmt wieder letzter der WJ !! Da aber mein geliebte Ehefrau angekündigt hat ,bei km 122 (2. Runde - Anstieg Faaker See!) mich sehen zu wollen, muss ich da jetzt durch (sonst macht Sie sich noch unnötige Sorgen., wenn ich nicht komme). Am Faaker See angekommen, bekomme ich meine erste Ration "Naturdoping" (s. Foto) - das reicht zumindest , um die Radrunde zu überstehen. Völlig überraschend fährt dann bei km 170 auf einmal Golo neben mir . Wir philosophieren kurz darüber, wie ätzend das Radfahren dieses Jahr ist, finden aber keine wirkliche Erklärung für unsere Unlust (am Wetter liegts es auf keinen Fall - perfekte Bedingungen ....), dann zieht Golo weiter und nimmt mir auf den letzten 8 km noch 4  Minuten ab . Mit einem ca.26er Schnitt erreiche ich die Wechselzone, ganze15 Minuten langsamer als vor vier Jahren und das trotz meines neuen , 3 Kg leichteren Carbonschleuder.......peinlich, peinlich ! In der Wechselzone treffe ich dann wieder Golo, wie schön !

RUN
Roland: Endlich - meine Lieblingsdisziplin! Nachdem ich beim Radfahren wie üblich durchgereicht wurde, kann ich jetzt das Feld wieder von Hinten aufrollen (viel können ja auch nicht mehr hinter mir sein). In meinen kühnsten Träumen habe ich die 4 Sunden geknackt - in der Realität leider nicht ganz! Nach meinen Schätzungen müssten Sven und Steffen  mindestens eine Stunde vor mir sein - ich fühle mich gut und hoffe sie ca. bei km 20 zu erreichen. Das es dann etwas früher wird, überrascht mich. Es ist jedenfalls schön, alle WJ auf der Laufstrecke wohlbehalten wiederzutreffen! Nachdem die ersten 28 km locker nach Plan laufen (zwischen 5:30 und 5:50 / km) werden die Beine dann doch etwas schwerer und meine obligatorischen Gehpausen bei den Labestationen werden länger. Glücklich erreiche ich das Ziel nach ca. 12:37 , wo Kerstin und Zoey mich in die Arme schließen - ach wie schön ! Freue mich jetzt auf eine (leider kalte) Dusche und die Massage im Finisher Zelt.

Petra: Am Anfang euphorisch, dann schleppend mit Magenproblemen und Nahrungsdefizit und zum Ende wieder deutliche Leistungssteigerung. Leider habe ich mein persönliches Ziel um 4 Minuten verpasst, aber ich hatte mal wieder Gänsehaut pur beim Zieleinlauf.

Golo: Bin soft und entspannt mit Steffen durch`s Ziel gelaufen

Steffen:Mit Einlauf von Marino Vanhoenacker in neuer Weltrekordzeit gehe ich auf die Laufstrecke. Der lautstarke Ansager verkündet den Rekord und „ … auch Du Steffen bist Teil dieses historischen Wettkampfs!“ Alle jubeln! Die Euphorie greift Raum. Ich sehe Sven 200 m vor mir auf der Brücke. Nach kurzem Austausch der bisherigen Erfahrungen mache ich mich auf den Weg nach Krumpendorf.  Die erste Stunde geht das Laufen gut. Mit 70 Minuten auf 10 km liege ich im Soll und laufe locker. Dann kommt der Hammer. Ich hatte in der ersten Stunde Lauf kein Salz mehr zu mir genommen. Der Magen verweigert die Arbeit und will nichts mehr. Die Atmung wird flach, die Gehpausen länger. Meine Salztabletten hatte ich dann auch noch unterwegs verloren. Ich bin um eine Erfahrung reicher. Die persönliche Bestzeit von 12:30 h und bald danach die Zielzeit unter 13 Stunden schwinden dahin.  Die letzten 14 km marschiere ich mit Golo, dessen Motivation an diesem Punkt ebenfalls stark begrenzt ist. Wir gehen gemeinsam entspannt durch’s Ziel, nicht ohne uns vorher bei allen Zuschauer persönlich bedankt zu haben. Im Zielbereich wartet mein größter Fan. Wie ist sie nur dahin gekommen?  Heute morgen war sie noch in Berlin, jetzt überreicht sie mir persönlich die Medaille. Wer hat sie als VIP hier reingelassen? Was sie denen wohl wieder erzählt hat?

Sven: Meine Lieblingdiszilplin…, hier lerne ich immer die meisten Leute kennen! So auch diesmal, wobei ich als erstes noch Marino zum Weltrekord treibe und der undankbare Kerl dann einfach nach links Richtung Ziel abbiegt. Mir bleiben also noch ein paar Wettkampfkilometer, wobei mich zuerst Anja Leuendorff zügig überholt, um sich mit 9.38 h den zweiten AK-Platz zu holen. Danach folgen in kleineren Abständen Steffen, Roland, Petra und Golo. Dafür geht es bei mir ohne Magenprobleme oder sonstige Beschwerden bis zur Finshline kurz hinter Steffen und Golo mit einem tollen Finish. Triathlon ist nur schön, wenn man im Ziel ist!!!

Fazit:
Steffen: Ein glückliches Ende eines schönen Wettkampfs, trotz verpatzter Laufstrecke. Nächstes Jahr ist erstmal Ruhe und Alpencross. Klagenfurt ist eine Reise wert, speziell mit den Fanta5.
Bis zum nächsten Wettkampf:  Just swim a little, run a little, bike a little !

Sven:
Ein landschaftlich toller Wettkampf, der ohne Weltraumjogger und Anhang nur halb so viel Spaß gemacht hätte. Jetzt ist erst Mal ein Jahr Ironmanpause…;-)

Petra: SUPER!!!!!!! Hatte unglaublich viel Spaß mit den anderen Fanta´s und ihrem
Anfeuerungswilligen und mit viel Durchhaltevermögen ausgestatten ANHANG.
DANKE: Tine, Kerstin und Zoey

Roland
1.    Ein neues Rad ersetzt kein Trainingslager.
2.    Ironman macht dumm im Kopf: Habe ich nicht noch am Faaker Berg " Nie wieder Ironman" gesagt ?
3.    Das nächste "FANTA 5- Event" wird geplant - vielleicht mit weiteren WJ.s??

Golo: Wer drei neue Probleme braucht macht Triathlon!!!!!!

Im diesem Sinne wohl alles Wiederholungstäter;-))

Warnung: Keine Bilder im angegeben Ordner vorhanden. Bitte Pfad kontrollieren!

Debug: angegebener Pfad - https://weltraumjogger.de/images/2011/fanta5ironman