Unsere Radtour führte uns von der Laehrstr. bis nach Bad Schandau in zwei Tagen.

Der erste Tag: Berlin – Lu Wittenberg bis nach Torgau.

Der zweite Tag: Torgau – Meißen - Dresden – Bad Schandau

Der dritte Tag sollte nun etwas ruhiger werden und vielleicht noch etwas anderes bieten als nur auf dem Rad zu sitzen. Lars meldete frühzeitig Wünsche an die eine Erholungsphase in Form von 2 Stunden an der Elbe in der Sonne liegen vorsahen. Kola trauerte ein bisschen den liegen gelassenen 50 km  zwischen Dresden und Bad Schandau vom Vortag hinterher. Hajo schmerzten bereits Hintern und Hände. Er hatte sich schon mit einer Halbtagestour abgefunden und wollte an entsprechender Stelle früher Richtung Unterkunft abkürzen. Guido war Stolz auf sein neues Garmin 800 auf dem er eine Tour geladen hatte, die mit 90km zwar wesentlich kürzer ausfiel als die Tage zuvor aber mit 1.200 Hm die Berge der sächsischen Schweiz den Beinen doch einiges abverlangen würde. (Anmer. d. Red.: das dieses Garmin immer nur „Kusabweichung“ meldete, verschweig der Auto dieses Textes !)

Schließlich wollten wir noch am Nachmittag zum Ausklang eine kleine Schlauchboottour auf der Elbe machen. Das sollte ein schöner Abschlusstag werden: 4-5 Stunden radeln, 2 Stunden Pause und 2 Stunden Boot fahren. Leider zeigte sich die Bootsverleiher zu unflexibel, so dass wir die für 17:00 Uhr geplante Bootstour streichen mussten. Na ja, würde halt mehr Zeit für einen ausgedehnten Nachmittag in der Sonne am Elbstrand sein, was ja auch nicht schlecht wäre. Zitat Lars:: „Die sind einfach zu satt hier !“

Noch einen kurzen Abstecher im örtlichen Fahrradladen um für Hajo ein paar Radhandschuhe zu ergattern und Kola die notwendigen 8 Bar in den Schlauch zu blasen. Nun sind die Sachsen ja so richtige Sympathieträger. Radhandschuhe gab’s nicht. Haben Sie eine Luftpumpe? „Nein, hab ich nicht nur einen Kompressor, aber das kann dauern“! Also losgefahren mit handgepumpten geschätzten 6,5 Bar erst durch Kirnitzschtal zum Lichtenhainer Wasserfall wo sich Hajo von einem sächsischen rüstigen Rentner ein Werbebierdeckel inklusive Taschenkalender mit barbusigem Model auf der Rückseite aufdrängen ließ.

Selbstverständlich wurden wir an einer Baustellenampel vorbeigewunken, an der die Autofahrer noch ihre Mindestwartezeit von 11 Minuten absitzen mussten und machten Bekanntschaft mit einer Gruppe von Porschefahrern, die ihre Cabrios-Boxter  natürlich bei laufendem Motor an der Baustellenampel platziert hatten, weil ja sonst die Klimaanlage nicht laufe würde. Klar dass wir da nicht ohne vulgärem Geschümpfe vorbei fuhren konnten.

Nach 1-2 mehr oder weniger ausgedehnten Pausen und begeistert von der tollen Felsenlandschaft und einem beinahe Zusammenstoß mit einem flüchtenden Reh verließ uns Hajo nach etwa 40 Km und fuhr gen Tal um wenig später schon mal die Füße hochzulegen.

Der Rest der Mannschaft folgte immer der Linie auf dem Garmin entlang an Bächen, den Serpentinen hinauf und Bergab immer wieder verfolgt von todesmutigen „Motoradschützen“, die in jeder Kurve Ihr Leben auf’s Spiel setzten und das unsrige gleich mit. In den Abfahrten fiel es Kola in einer Art Geschwindigkeitswahn manchmal nicht leicht den Kontakt zur Gruppe zu halten, so dass zwischenzeitlich die Stimmung strapaziert wurde, Guido doch strickt seine mühsam auf’s Navi geladene Tourlinie nachfahren wollte. Zwischendurch mal wieder einen kurzen Halt bei LidL, Rewe oder ähnliches mit Bäckerabteilung zum nachtanken genutzt und das Gewitter vorbeiziehen lassen, waren die angesetzten 4-5 Stunden doch recht schnell um aber der Tacho zeigte erst 70 Km noch längst nicht die angestrebten 90 Km. Schließlich hatten wir zwischenzeitlich die Elbe überquert und zirkelten nun eine Steigung nach der anderen ab. Noch kurz beim Regenschauer heimlich beim Bauer im Heuschuppen unterstellt und wieder ging es ab in’s Gebirge. Lars witzelte zwischendurch: „Wir könnten ja die 40 Km mehr über Glashütte fahren. Da bäb’s die Uhren vielleicht billiger“. Wir halfen entlaufene Kühe einzutreiben und überholten Hochzeitskutschen, wo die Pferde die Berge nicht mehr mit Hochzeitsgesellschaft hochkamen weshalb diese zu Fuß gehen musste. Beruhigend wenn dann eine 85 jährige am Gartenzaun bei 14 % Steigung bei 8km/h rüberrief: „Machen Sie das jeden Tag?“ Lars war jetzt bei jeder Steigung zu Fuß unterwegs und irgendwann so bei km 90 fragten wir uns, ob wir überhaupt noch auf dem richtigen Weg waren, obwohl immer auf der Garmin Linie nach gefahren. Auf der Ortkarte war Glashütte nun nur noch 8 Km entfernt, was uns schon ein wenig beunruhigte. In diesem Moment verabschiedet sich das Akku von Guidos Garmin und allein waren wir nun in wunderschöner Landschaft gerade die längste Steigung geschafft ohne Karte ohne Akku also völlig planlos. Aber die hilfsbereite Hochzeitsgesellschaft, die sich jedoch nicht einig war, ob lieber die längere flachere Strecke über Pirna oder doch die schönere aber steilere direkte Route fachsimpelte mit uns. Schließlich setzten sich Lars und Guido mit der schöneren härteren Tour durch. Denn Lars Garmin hatte noch Saft und im Nu war die Berechnung der neuen Route geladen und zeigte lediglich 25 Km to go an.  Allerdings führte diese das erste Steile Stück zurück wo wir herkamen.

Durch Kolas Reifenpanne schiebend zum nächsten Haus rief uns diesmal die 85 jährige zu: „Suchen Sie etwas?“ Aber der Schlauch war schnell geflickt und dank eines diesmal wirklich netten Sachsens waren unsere Trinkflaschen auch wieder aus seinem Gartenschlauch gefüllt. Was sich allerdings zwei Tage später zurück in Berlin als schwerer Fehler im Verdauungstrakt  bei Lars (Chemiker) und Guido herausstellen sollte. Also Merkt Euch: Trinkt niemals Wasser aus einem Schlauch!“ Schließlich sagte uns der Sachse noch was wir nun hören wollten:„Die Tour nach Bad Schandau, die Ihr fahren wollt ist gut zu fahren und nicht so Steil“. Das klang wie Musik in Lars Ohren, der nun wieder etwas Kraft geschöpft hatte.

Es stellte sich allerdings heraus, dass dieser nette Sachse wahrscheinlich gar kein Rad hatte und seine Beurteilung der Steilheit von Bergen offensichtlich aus seinem 4wheel-drive tätigte. So jagte ein Gipfel den nächsten und Guido traute sich kaum zu verkünden, dass bei den verbleibenden 25 Km anscheinend Luftline gemeint gewesen ist.  Schließlich wurden daraus noch mehr als 50 Km. Aber wir wären ja keine Weltraumjogger, wenn  uns das jetzt umgehauen hätte. Und so ging es weiter durch die Berge mit 2-3 Km Abfahrten gefühlten doppelt so langen Anstiegen. Schließlich wurden wir nahe dem Ziel noch mit grandiosen Aussichten über Hochebenen in die Kalksandsteine belohnt bevor wir um 20:30 Uhr gerade rechtzeitig bevor der Koch sein Handtuch wirft und Feierabend machte nach 130 Km und 1.800 Höhenmetern wieder im Tal ankamen. Die 17:00 Uhr Bootstour hätten wir heute wohl nicht geschafft und die 2 Stunden in der Sonne liegen mussten wir auf dem Rad verbringen. Aber schön war’s schon.

Und sonst war da noch:

  • Hajo fragt die nette Bedienung: „Haben Sie einen Trockner ?“. Lars versteht nur „Haben Sie eine Tochter ?“ und findet Hajos Direktheit unmöglich…
  • Lars’ Riesenschnitzel (siehe Foto): und er hat es tatsächlich geschafft !
  • Die beiden netten Jungs in Danna, die uns das Wasser verweigerten und uns nur nach Blönsdorf verwiesen haben…
  • Die badenden Jungs in Klöden auf der Badeinsel: „Hilfe, die Russen kommen !“. Das kannte ich bisher nur als West-Berliner-Spiel..

Hauptverfasser: Guido; noch mit dabei waren: Lars, Kola und Hajo

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