Der 13. Schüler-Duathlon: Eindrücke eines Warnwestenträgers: Als Olli mir mitteilte, dass ich am 29.5. für die Radstrecke der Grundschüler vorgesehen war, kamen wieder diese Bilder aus den Veranstaltungen der vergangenen Jahre in mein Gedächtnis.

Mehr oder weniger genervte Autofahrer, die aufgrund ihrer genetischen Anlagen oder tiefgreifenden Sozialisation jede Fahrtunterbrechung als eine Art Körperverletzung empfinden und ihre Drohgebärden mit einigen z.T. hundert PS noch anschaulich untermauern.

Doch die Aufgabe, mit Hilfe einer Warnweste all diese begeisterten und begeisternden Kinder u.a. vor genau dieser Spezie zu schützen, ist alle Mühen wert. Zumal es in der Regel diesmal recht friedlich abging. Außerdem hatte ich die Gelegenheit, von Zeit zu Zeit (Welle zu Welle) mit einem Gründungsverantwortlichen der Weltraumjogger zu plauschen. Denn ohne ihn wäre Olli vielleicht nicht in Berlin geblieben. Und dann hätte sich vielleicht nicht diese engagierte enthusiastische Truppe zusammengefunden usw. usw. Die Charakteristik der jeweiligen Altersgruppen fand sich nicht nur in der unterschiedlichen Geschwindigkeit. Auch die Selbständigkeit und Beachtung von Hinweisen war bemerkenswert.


Das Eintauchen in den Tunnel der Fokussierung ließ sich jedoch in allen Gesichtern ablesen. Aber einen langjährigen Nutzer einer triathletischen Standardausstattung beeindruckte es am meisten, mit welchen Sportgeräten sich die Kinder mitunter den Herausforderungen stellten. Da ist die Leistung nicht hoch genug einzuschätzen. Verglichen mit Erwachsenen müssten diese mit 36er Rädern auf dem Sattel hin und her rutschend die technisch anspruchsvollen Streckenprofile bewältigen. Gerade hier ist die Anpassungsfähigkeit der Kids enorm. Ohne den geringsten Unmut stellten sich die Kinder, zumeist erstmalig (!) in einer solchen Wettkampfsituation stehend, überaus schwierigen Bodenbelägen, aufmerksamkeitsheischenden Durchfahrten und einer manchmal katastrophalen Ergonomie. Die gewonnenen Eindrücke rücken die Tendenz zur Hochsensibilität hinsichtlich der Ausrüstung bzw. Wettkampfbedingungen wieder ein wenig zurecht: Der Spaß am Ausdauersport muss nicht proportional zum Wert der Ausrüstung steigen. Das es aber auch in dieser Altersklasse bei solchen Veranstaltungen schon sehr ergebnisorientiert zugeht, wurde ebenfalls deutlich.

Eine Streckenbesichtigung ist dabei das Mindeste. Im Wettkampf wurde dann auch offensichtlich, wie sich die allwöchentliche Arbeit der Jugendtrainer/innen auswirkt. Das Tempo und die Fahrsicherheit waren eindrucksvoll. Dank an unsere Jugendabteilung (und der anderer Vereine) und an Olli. Das galt sicher als eine ernstzunehmende Trainingseinheit, die Runden mit dem Pace-Bike. Die schon erwähnten Aggrofahrer waren anscheinend auf anderen Strecken unterwegs. Dafür tauchten im Anforderungsprofil der Streckensicherung ergänzend zwei neue Zielgruppen auf. Die kamen aber in ihrem Gefährdungspotential und der leider häufig damit korrespondierenden Uneinsichtigkeit den mit den Automobilisten z.T. recht nahe. Die erste Gruppe fällt den hier Ansässigen, besonders den Eltern kleiner Kinder, ohnehin öfter auf. Der gemeine „Er-will-doch-nur-spielen“. Mein Erstaunen steigerte sich zu einem massiven Unglauben, als eine mittelalterliche Bildungsbürgerin ihren Hund ca. 40 cm von der Fahrlinie der Kinder von der Leine zu ließ. Meinen diesbezüglicher Hinweis wurde mit einer Tirade beantwortet, die den unerschütterlichen Glauben an ein Verfassungsrecht der „Jederzeitigen und unbegrenzten Freiheit des Hundes“ offenbarte.

Und das trotz erkennbar weiterer herannahender Mädchen. Auch auf die argumentative Zuspitzung hinsichtlich der zeitlichen Überschaubarkeit der erbetenen Toleranz (bzw. eigentlich selbstverständlichen Pflichten) wurde mit lautstarken Vorwürfen an die Pädagogen (!) reagiert. Zugegeben, die meisten Hundebesitzer waren sich ihrer Verantwortung bewusst, aber leider können wenige Ausnahmen ziemlichen Schaden anrichten (wie vor einigen Jahren beim Volkstri - mit anschließendem Besuch im noch geöffneten Oskar-Helene-Heim). Immerhin, diesmal es ging glimpflich ab. Dann folgte die Gruppe der „Ich habe einen MP3-Player -- Also bin ich“. Wie sich auf Nachfrage herausstellte, kreuzte die Streckenführung genau den Pilgerpfad des anliegenden Oberstufenzentrums zum nahegelegenen Supermarkt. Somit schlurften im Rhythmus des Stundenplans immer wieder größere Mengen von relativ geistesabwesenden Heranwachsenden über die Piste. Welch ein Kontrast, hier die hochmotivierten Kinder in ihrem Ringen um ihr mitunter erstes Wettkampferlebnis, dort die zumeist spannungsarmen Träger des schulischen Ballast in ihrem Ringen um eine Erträglichkeit ihres Tagespensums. Aus meiner Sicht alles in allem wieder eine gelungene Veranstaltung mit dem Ergebnis zufriedener Gesichter. Eben, die Weltraumjogger. Jaja, Eigenlob stinkt.

Aber für mich ist es nicht unbedingt selbstverständlich, dass sich alljährlich mehrfach viele ihre Dienstpläne entsprechend einrichten, ihre Selbständigkeit nutzen und notwendige Freiräume schaffen - schlichtweg ihre Freizeit anbieten. Das gilt interessanterweise nicht nur für das „Urgestein“. Immer wieder finden sich auch unter den etwas später dazu Gekommenen engagierte Menschen. Der Süden Berlins scheint eine gewisse Mentalität zu befördern.Denn ... es war ein Dienstag ... Vormittag.

Es macht Spaß dabei zu sein.

Knut Zieße