Vier Weltraumjogger ließen dieses Jahr den IronMan Zirkus hinter sich und machten sich daran die Alpen auf geeigneten Rädern (vgl. Mountain-Bike) zu überqueren.  Die Truppe mit eingeschränkter DownHill und noch weniger UpHill Erfahrung setzte sich zusammen aus:

Job Spitzname bürgerlich Rad
Fotograf Die Bergziege Roland Mund Cube, Hardtail
Model Das Schlusslicht Golo Stein Dynamics, Fully
Schwester Die neue Heidi Petra Friedel Koga, Hardtail
Guide Die Rennsau Steffen Duemler Cube, Fully

 

Die TransAlp war ohne Führer, allerdings mit Unterkünften und Gepäcktransport über ULP Tours, München gebucht.  In fünf Etappen sollte es vom Fuß der Zugspitze an das Nordufer des Gardasees gehen.  Nach einem deftig bayrischen Abendessen und einer kurzen Einweisung durch eine Führerin ging es am Montag, 10. September bei  strahlendem Sonnenschein los.Detaillierte Weg-beschreibungen der Etappen und GPS Daten für das Garmin erleichterten die Orientierung.

1.Tag    Grainau (Bayern) – Tarrenz (Tirol)    48 km     1.300 Hm

Die Etappe wird optisch von der Zugspitze dominiert.  Direkt hinter dem Ort geht es hoch, hoch und nochmals hoch. Erst zum Eibsee mit erstem Fotoshooting  dann durch den Bergwald zum Grenzübertritt nach Österreich einschließlich kurzer Tragestrecke. Der mehrstündige Anstieg wird mit einer Brettljausen, einem Radler und wunderschöner Aussicht bei bestem Wetter belohnt.

Schwester: „Bis zur Hochthörle Hütte sind es noch genau 1.497 m.“
(War statt der Entfernung etwa gar die Höhenlage des Hauses gemeint?  Nach dem diese Maßangabe auch auf dem dritten Schild stand, hätte man das fast annehmen können.)
Bei der Abfahrt nach Ehrwald stellt die Rennsau den Geschwindigkeitsrekord der Tour auf: 70,97 km/h. Nach Durchquerung des Hochtales von Ehrwald und Biberwierund ersten Begegnungen mit einheimischem Milchvieh, erneuter Anstieg zum Fernpassauf dem Römerweg „Via Claudia Augusta“.  Die Abfahrt am Fernpasstrail bringt einige an ihre technischen Grenzen und die Bremsen zum Glühen.

Die Rennsaunutzt etwas breitere Abschnitte des steilen Singletrails um Teilnehmer der geführten Gruppen zu überholen und denen ordentlich Furcht einzuflößen. Das selbstgebastelte Kameragestell des Fotografen überlebt einen ersten Härtetest ohne geringste Schäden. So kommt es weiterhin häufig zu Stillstand:
Fotograf: „Halt! Ich muss erstmal ein Foto machen."

Im Anschluss geht es locker auf Schotterpisten und Waldwegen durch das Gurgltal vorbei an Nassereith nach Tarrenz. Kurz nach der Ankunft zeigt sich das Bergwetter von einer anderen Seite.  Ein heftiges Gewitter am Abend macht deutlich, dass es hier auch ganz anders zugehen kann. Wäschetrocken isnich.

2. Tag    Tarrenz (Tirol) - Nauders (Tirol)        75 km     1.300 Hm

Der nächste Morgen beginnt frisch und leicht bedeckt. Heute ist ein Tag für das Model.  Die Shootings werden angekündigt mit: „Mir ist jetzt zu warm. Ich muss mich umziehen !“ oder „Mir ist jetzt zu kalt. Ich muss mich umziehen !“

Alternativen dazu, wie z.B. Schwitzen oder Frieren werden nicht akzeptiert.  Bei der ersten Gelegenheit überzeugt der Guide 3 Mädels mitzufahren, man hätte doch, eh das gleiche Ziel (?). Die Damen sind dankbar für die Wegweisung, haben allerdings mehr Gepäck und sind bergab schneller – und deutlich jünger. Entlang des Inns gelangen wir nach Landeck zur erster Cappuccino Pause mit Shopping-Versuch. Unmittelbar danach geht es wieder steil bergauf um den Höhenweg auf die Fliesserplatte 200 m über dem Inntal zu erreichen. 

Eine geführte Gruppe zeigt sich etwas langsamer und wird nur auf Anweisung von Heidi vorgelassen.  Der Höhenweg geht als Singletrail rauf und runter durch eine Almlandschaft mit wunderbaren Aussichten ins obere Inntal, vorbei an kleinen Kapellen und durch kleine Bäche. Der folgenden Abfahrt ins Tal steht ein stoische Rinderguppe im Wege.

Model: „Vorsicht, der hat Hörner! ! Das ist ein Bulle!“
(Wieso hatte sie dann ein prall gefülltes Euter?)

Die Durchquerung der Viehherde (5 Stück) kaum gemeistert, machen wir mit deren frischen Exkremten Bekannschaft. Weich setzten sich die Kuhfladen in den Stollenreifen fest.  Ein Singletrail ist doch keine Alm! Wer war eigentlich zuerst hier? Zum Ausweichen bleibt kaum Platz. Wir müssen ins Tal, aber nicht auf direktem Wege. Ein Abflug wäre jetzt sehr unangenehm. Nach Überquerung des Inns erreichen wir Ried und genießen Trioler Gröstl und Speckknödel. Das deftige Essen macht einen Mittagsschlaf am Badesee unverzichtbar. Schließlich wartet noch ein heftiger Passanstieg am Ende der Etappe auf uns.

Das Inntal ist lang, sehr lang, besonders mit Knödeln im Bauch. Der Piz Mundin zieht Wolken und der Gedanke an ein erneutes Gewitter treibt die Truppe voran. Es gelingt uns die Wolke geschickt zu unterfahren und in die Schweiz zu entkommen. Dort angelangt werden wir direkt über den Fluss nach Österreich ausgewiesen und haben jetzt eine Stunde Zeit uns die 11 Kehren auf der Passtrasse zur Norbertshöhe (1.418 m) hochzukurbeln.
Fotograf:    „Bergwertung“

(Der auch als „Carbonschwuchtel“ bekannte Teilnehmer holt sich das gepunktete Trikot und wird es während der Reise auch nicht mehr abgeben.)
Oben am Pass hängt ER, der „INRI“. Die Alpen sind eben eine katholische und gläubige Gegend. Die Kirche und Kapellen, an den prägnantesten Standorten, weithin sichtbar, machen einen Teil dieser Landschaft aus.

In Nauders angekommen ist der angekündigte Temperatursturz deutlich spürbar. Noch regnet es nicht. Noch!

3. Tag:    Nauders (Tirol) - Meran (Südtirol)    95 km     450 Hm

Es hat sich über Nacht eingeregnet und heute wird aus dem Reisegepäck alles herausgeholt was halbwegs wasserdicht und warm ist. Das Model teilt bei Abfahrt erstmal ein Runde Ride Shots in der neuen Geschmacksrichtung „Lemon“ aus. Die Dinger sehen aus wie Klosteine im P-Becken, und schmecken auch so. Alle sind sich einig: Das wird der neue PowerBar-Renner! Die Route geht kurz bergauf zum Reschenpass und damit zur italienischen Grenze, um den künstlich angelegten Reschensee und dann bergab in das „sonnige Vinschgau“.  Wie wir später erfuhren hatte es hier seit Wochen nicht mehr geregnet. Warum ausgerechnet jetzt? Und warum so heftig?  Die Abfahrt auf dem asphaltierten Radweg ist durchweg mit 30 km/h ausgeschildert. 40, 45, 50 sind aber schon drin, wenn keiner unterwegs ist. Und warum sollte bei diesem Sauwetter jemand unterwegs sein? Warum?

Der Guide verwendet das wasserfeste Kartenmaterial als Wärmeschutz für die Lunge. Wieso ist eine Windstopper Jacke eigentlich nicht wasserdicht? In Glurns gibt es am Würstelstand eine Bockwurstinfusion, Hauptsache warm.  Alle wechseln die Wäsche, von nass auf feucht auf halbnass. 

Im Etschtal, 400 Hm tiefer, sind die Temperaturen etwas angenehmer, der Regen lässt nach. Der Guide schmeisst sich zweimal bei  0,0 km/h hin. Rechts-Klick, Links-Klick. Leftfoot, Rightfoot!?!? Wahrscheinlich hatte er die Rechts/Linkssocken falschrum angezogen.
In endlosen Apfelplantagen ist die Verpflegung kein Problem.
Guide: „One Apple a day keeps the doctor away!
Two Apples a day keep two doctors away!”
(Der Wahnsinn -bedingt durch den langen Aufenthalt in Österreich - greift Raum)

Oberhalb von Meran stürzt die Etsch hinab ins Meraner Land. Wir stürzen mit, auf einem separaten Radweg mit 7 Kehren. Zone 30??? In Meran angekommen ziehen wir uns direkt in einen Waschkorb aus. Alle Lagen verdienen das Prädikat „durchnässt“.  Die Körpertempertatur konkurriert mit der Zimmertemperatur In der „Einkehr am Passeier Tor“ erwärmt uns Kastaniensuppe und Tafelspitz. Statt EPO gibt es Hefeweizen. Felix Austria ! Ach,nein wir sind ja in Südtirol (Italien?).

4. Tag    Meran (Südtirol) – Flavon (Trentino)    65 km    1.600 Hm

Die nächste Etappe beginnt mit einem dramatischen Anstieg von 1.200 Höhenmetern am Stück. Dem Abenteuer vorgeschaltet ist aber der Wechsel der Bremsbeläge beim Guide (wieso waren die nicht vorher gewartet worden oder Ersatzbeläge am Mann?). Der Besuch bei diversen Radläden wird von der Schwester ausgenutzt ein neues Heidi Radshirt zu erstehen. Das hochwertige Assos-Shirt mit Schweizerkreuz zeigt eine Kuh (mit Hörnern, also männlich!)  und Edelweißen ohne Ende. Auf die Frage nach dem Preis antwortet die Shopping-Queen präzise:
Schwester:   „ Es war um die Hälfte reduziert!“
(Ach, nur sooooo wenig!)

Die 1.200 m zum Gampenpass, dem Übergang ins Val di Non beginnen mit steilsten Rampen und Schiebestrecken durch dichte Wälder und kleine Bergdörfer. Das Garmin Navi lässt uns nicht im Stich und kurz nach Küchenschluss sind wir im Restaurant am zugigen Passübergang bei 1.500 m angekommen. 

Der aufgewärmte Brotfladen mit Belag wird kurzer Hand in Vinschgau-Burger umbenannt. Ab 2013 auf allen Speisekarten zu finden! Über „Unsere liebe Frau im Walde“ also „Madonna di Bosco“ geht es hinab durch eben diesen Wald ins Nonstal mit weiteren Apfelplantagen soweit das Auge reicht. Der Schottertrail bringt Spass und Speed ohne wirklich gefährlich zu sein, mittlerweile haben alle den Dreh raus: Laufen lassen! Bremsen wird überbewertet. Bald fahren wir weiter auf wenig befahrenen Straßen rasant bergab. Der Bergsee Santa Guistina liegt im Zentrum des weiten Talkessels im warmen Abendlicht. Über eine abenteuerliche Brücke erreichen wir Cles und Flavon. Wir sind auf der Südseite der Alpen!  In der Bar Centrale wird beim Abendessen von Knödel auf Pasta und von Bier auf Wein umgestiegen.

5. Tag    Flavon (Trentino) – Torbole (Trentino)        90 km     1.500 Hm

Die letzte Etappe führt aus dem Obsttal der Non hinauf in die Brenta. Das Model steht wieder mal halb nackt vor der Tür und stellt fest:
Model:    „Mir ist zu kalt, ich muß mich anziehen“
(Beim nächsten Anstieg ist wieder Zeit für ein Shooting, dem Guide ist jetzt schon warm)

Hinter den Obstplantagen geht es in einen traumhaften Buchenwald und dort neben dem Bach stets bergan, gut 600 Hm, gut fahrbar nach Andalo, einem italienischen Skiort am Fuße des Brentamassivs. 

Unterwegs begegnen uns wieder geführte und individuelle Gruppen. Diesmal wird keiner vorgelassen. Wir wollen zuerst am Molveno See sein und Pizza verschlingen. Außerdem sind wir besser! Trotz intensiver Sonne ist es am See zugig und kühl. Wir sind noch auf 850 m Höhe und die Berge machen ihr eigenes Wetter. 

Entlang des Sees und dann an Almwiesen vorbei und durch Wälder arbeiten wir uns nach Süden vor ohne an Höhe zu verlieren. 

Erst bei Ranzo nach Tunneldurchquerung auf Schotter und letzen Ausblicken ins Hochgebirge geht es ab nach unten. Und wie! Die 3,6 km lange Abfahrt ist steil. So steil, dass wir einen Großteil der kinetischen Energie rausbremsen müssen. Sattel nach unten und Becken nach hinten, nur so kommt man runter ohne über den Lenker abzugehen. In der anderen Richtung sind die Rampen kaum zu fahren, zum Glück kommt auch keiner.
Vom Lago di Tobollino geht es im Tal der Sarce nach Torbole. Ein eigener Radweg mit eingebautem Anstieg (oder ist das Ding „Monte di Drena“ ein natürliches Phänomen?) und tiefem, losem Schotter bietet letzte Herausforderungen. Rechtzeitig bevor die Sonne hinter den Bergen verschwinden erreichen wir den Strand am Lido Blue, Lago diGarda. Der Blick nach Süden endet am Horizont. Der See bietet die perfekte Illusion am Meer zu sein. Die Alpen liegen hinter uns. Vor uns Italien !!!

Auf Platten, Speichenbrüche, gerissene Ketten und Stürze mit verbogenen Schaltaugen waren wir vorbereitet. Nichts davon ist eingetreten. Die Transalp, mit 5 Etappen, 373 km und 6.150 Hm liegt erfolgreich hinter uns. Doch ging das alles viel zu schnell,sofort werden neue Pläne geschmiedet.

Unfassbar schnell ist die Woche vergangen. Unfassbar lange wirken die Eindrücke nach.
Die Alpen sind ein wunderbarer Spielplatz, speziell wenn Einem die Götter wohlgesonnen sind.

Schwester: „ Wenn Engel reisen …“

SD

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