Im April 2009 sah ich diverse Bilder und Filme vom Fishermansrun 2009. Diese Bilder faszinierten mich und in mir wuchs der Wunsch auch an diesem verrückten Hindernislauf teilzunehmen. Ich forschte ein wenig im Internet und fand eine Warteliste für den Lauf im Jahr 2010.

Das Eintragen auf die Warteliste ging ziemlich zügig und ich suchte mir erste Trainingsstrecken mit Hindernissen. Viele Kinderspielplätze in Siemensstadt untersuchte ich auf Trainingstauglichkeit. Bei Aldi besorgte ich mir ein paar billige Radhandschuhe, als Schutz. Während des Sommers rückte der Lauf ein wenig in Vergessenheit. Der Newsletter im August mit der Ankündigung, dass die Anmeldung Anfang September geöffnet wird steigerte wieder die Spannung. Aber was hieß Anfang September. Mit dem nächsten Newsletter gab es genauere Infos. Der Startort sollte wieder der Flughafen Weeze sein und die Freischaltung sollte am Montag den 07.09.09 um 10.00Uhr erfolgen.

Jetzt hatte ich ein Problem. Der Newsletter ging an meine private Mailadresse und in der Firma hatte ich keinen Zugang. Glücklicherweise hatte Manuela Spätdienst und durfte nun die Freischaltung kontrollieren. Um 12.00 Uhr kam dann auch endlich die erwartete Mail und per Telefonkonferenz meldete mich Manuela an. Die Startnummern wurden nach Meldungseingang vergeben und ich bekam Startnummer 731. Damit konnte nun die weitere Planung beginnen.
Jetzt machte ich mir erstmalig Gedanken wo Weeze überhaupt liegt und wie Manuela, Nils und ich hinkommen. Der Routenplaner errechnete eine Strecke von 580km. Ich suchte alle möglichen Arten der Anreise. Letztendlich buchte ich Flüge mit Air Berlin nach Düsseldorf und dann noch ein Mietwagen. Weeze liegt ca.70km von Düsseldorf entfernt. Ein Hotel im 11km entfernten Kevelaer war schnell gefunden und somit war am 13.9. alles gebucht und das Training konnte starten.

Ab Januar wurde Woche für Woche im Internet ein Hindernis vorgestellt. Die ersten Hindernisse bereiteten mir nicht so viel Angst. Sie erschienen mir nur körperlich anstrengend da es sehr über viele kleine Hügel ging. Das Training lief ganz gut. Aber ich konnte dank des extremen Winters nicht ganz das Programm laufen was ich wollte. Sogar Schneeketten für meine Laufschuhe habe ich mir besorgt. Anfang Februar waren wir dann für eine Woche in Fichtelberg. Dort machte ich ein kleines Lauftrainingslager und lief unter anderem 3x zum Ochsenkopf hinauf.

Desweiteren wurde ein Wasserhindernis angekündigt, welches mind.2m tief sein sollte. Somit war klar dass ich auch noch schwimmen musste. Ich kramte meine Badehose hervor und seit 2 Jahren sah ich wieder eine Schwimmhalle von innen. Das erste Training war ziemlich hart und nach 1,5km war ich platt. Aber es wurde von Woche zu Woche besser.
Beim Lauftraining war ich schon lange nicht mehr auf den normalen Wegen unterwegs. Es ging quer durch den Wald, ich sprang über Baumstümpfe und Baumstämme. Auch der Grunewald gehörte jetzt wieder zu meinem Trainingsgebiet. Ich trainierte auf dem Havelhöhenweg und lief zum Teufelsberg hoch.
Jetzt war der Tag des ersten Freiwassertrainings gekommen. Ich schnappte mir meine geplanten Wettkampfklamotten, lief und krabbelte in der Jungfernheide und lief wadentief durch den Jungfernheidesee. Der See war größtenteils noch gefroren. Geschockte Spaziergänger  blieben mit offenem Mund stehen.  Am 28.03.10 lief ich dann wieder durch den See. Das Wasser war jetzt eisfrei, aber doch recht kalt. Immerhin ging ich jetzt schon bis hüfttiefe ins Wasser. Ich hatte jetzt auch keine lange Wintertight mehr an, sondern nur noch eine ¾ Hose. Diesen Tipp hatte ich in einem Bericht vom Bravehart, einem ähnlichen Laufevent, gelesen. „Zieht Euch möglichst dünne und leichte Sachen an, dann müsst Ihr nicht so schwere nasse Sachen mit Euch rumschleppen“ stand dort geschrieben.

Dieser Tipp war sehr gut. Die Wintertight hat die Nässe doch länger gehalten und der kühle Wind ließ den Lauf recht unangenehm werden. Die etwas dünnere Hose wurde schneller wieder trocken.
Am 11.4. machte ich dann meinen finalen Matschlauf in der Jungfernheide. Wieder lief ich durch den Wald, robbte unter Brücken hindurch und dann ging es durch den See. Diese Mal aber schwimmend. Im ersten Moment war es verdammt kalt. Aber nach zweimaligem durchatmen schwamm ich dann mit meinen Laufsachen. Ein ungewohntes Gefühl, aber es gab mir Sicherheit. Ich hatte sehr viel Respekt vor den Wasserhindernissen. Trainingstechnisch hatte ich mich wohl ganz gut vorbereitet und der Wettkampf konnte nun kommen. Im Internet gab es die ersten Bilder vom Streckenbau zu sehen. Die Spannung stieg von Tag zu Tag. Aber dann spielte mir die Natur einen Streich. Auf Island brach ein Vulkan aus. Anfangs interessierte mich das noch nicht so sehr, aber als die ersten Flüge ausfielen wurde ich nervös und meine Wettkampfspannung war dahin. Am Donnerstag verschwendete ich die ersten Gedanken wie wir nach Weeze kommen könnten. Freitag fuhr ich dann zum Flughafen um unsere Flüge zu stornieren. Das ging problemlos.

Am Samstag um 9.00 Uhr ging es nun mit dem Auto nach Weeze. Die ersten km vergingen recht zügig  und wir kamen besser voran als geplant. Dann kam aber doch noch der große Stau und 1 Stunde ging es nur schleppend voran. Um kurz nach 16.00Uhr waren wir dann endlich in Weeze. Ich war recht nervös und freute mich darauf nun endlich meine Startnummer zu erhalten. Auf der Mini-Messe trafen wir Jörg Bunert, den wir von unseren 2 Aida Reisen kennen. Nach kurzem Smalltalk ging es zur Startnummerausgabe. Und nun hatte ich sie endlich in der Hand, meine Startnummer 731. Jetzt gab es absolut kein zurück mehr. Wir hatten geplant am Samstag einen Flug mit dem Helikopter über das Wettkampfgelände zu machen. Manuela hatte vorher telefonisch erfragt das der Heli auch am Samstag fliegen sollte. Auf Nachfrage bei der Info mussten wir dann erfahren, dass es am Samstag keine Flüge gab, da das Wettkampfgelände nicht geöffnet war. Somit machten wir uns zu Fuß auf den Weg um einige Blicke auf die Hindernisse zu erhaschen.  Leider kamen wir nicht so richtig dicht an die Hindernisse, aber es war schon zu erkennen, dass es auf und ab ging. Die Wasserhindernisse waren auch zu erkennen. Dann ging es nach Kevelaer wo wir ein Zimmer gebucht hatten. Ein sehr nettes Zimmer und eine kinderfreundliche Vermieterin. Ich hatte zum Abendbrot den Wunsch nach Pasta und wir fanden einen sehr leckeres Italienisches Restaurant.

Sonntag früh beim Frühstücken stellten wir fest, dass in unserem Hotel noch einige weitere Teilnehmer genächtigt haben. Unter anderem Schweizer die bereits zum 2. Mal dort waren. Sie bekamen zum Frühstück sogar Nudeln.
Um 9.00 Uhr machten wir uns auf den Weg Richtung Weeze. In der Ausschreibung war zu lesen, dass wir möglichst früh anreisen sollten. Die ersten km gingen sehr zügig, aber dann stellten wir uns im Stau an. Ich war noch recht entspannt und um 10.40 erreichten wir dann endlich den Parkplatz, ein Feld welches wohl ein Bauer zu Verfügung gestellt hat. Für die 11km lange Strecke haben wir 1 Stunden und 40 Minuten gebraucht. Es gibt zu dem Gelände nur eine Zufahrtsstraße. Aber ich war noch immer entspannt. Wir suchten uns den Weg zum Startbereich. Ich lief mich ein wenig warm und um 11.15 Uhr ging ich in den Startbereich. Ich habe mich noch nie 45 Minuten vor dem Start in den Startbereich gestellt, um dann irgendwo in der Mitte des Feldes zu stehen. Das Wetter war super. Statt 8°C und Regen (wie im Vorjahr) hatten wir unerwartet 19°C und Sonnenschein. Ich hatte keine Lust nun 45 Minuten zu stehen und setzte mich noch 30 min auf den Boden. Das Feld wurde immer dichter und ich fragte mich warum ich mir diesen Lauf ins ungewisse überhaupt antue. 15 Minuten vor dem Start verließ ich meinen Sitzplatz. Nachdem ich versucht hatte mich mental auf den Lauf einzustimmen, fing mich nun die Stimmung ein. Der Moderator peitschte uns ein und wir hüpften alle im Takt,  da es  hieß: “Wer nicht hüpft der ist kein Strongman“.

Die Spannung stieg und endlich kam der Countdown. Wir zählten von 10 auf 0 runter und der Startschuss viel. An loslaufen war nicht zu denken. Wir gingen zur Startlinie, aber dank Chip ja auch kein Problem. Nach 2 Minuten war ich an der Startlinie und wollte endlich losrennen. Aber daraus wurde nichts. Es war ein ständiges Stop and Go. Das erste Hindernis durften wir  in der ersten Runde umlaufen. Damit wollte der Veranstalter das Feld entzerren. Aber das war eine Fehlplanung. Nach den ersten Metern kam die gerade in Schwung geratene Läuferscharr wieder ins Stoppen. Jetzt ging es durch eine ca. 800m lange, schmale, in den Wald geschlagene, Schneise. Rechts und links flog ab und zu mal ein Läufer hin. Es waren auf diesem Weg noch einige Baumstümpfe (10 bis 20cm hoch) übrig. Diese waren zwar rot gekennzeichnet, aber in der Masse nicht zu sehen. Nach dem Wald kamen dann die vielen SHELTER (Unterstände für Düsenjäger). Sie kosten schon sehr viel Kraft und besonders beim runter Laufen war höchste Konzentration gefordert. Dann folgte der aufgeschüttete Sandhügel Namens PLAYA DE WEEZE.

Dieses Hindernis hat mir Freude bereitet und ich empfand es als sehr leicht den Hügel zu überwinden. Anschließend kam das erste Wasserhindernis. BLACK SEA war ein Wasserloch, welches wir zu durchlaufen hatten. Das Wasser war hüfttief und mit ca.10°C angenehm temperiert. Bis jetzt lief es sehr gut. Das Feld hatte sich ein wenig entzerrt und es folgte eine längere Laufpassage mit einigen Schlammlöchern. Die Spannung auf das, von mir mit Respekt erwartete, SPIDERS WEB stieg. Nach zwei weiteren SHELTERN stand ich im Stau vor dem SPIDERS WEB. Platzangst durfte man hier nicht bekommen. Langsam schob ich mich, oder wurde geschoben, Richtung Stohballen, welche wir erklimmen mussten. Irgendwann war ich an der Reihe und krabbelte die Strohballen hoch. Hier war die Kameradschaft super und es kam immer eine helfende Hand um mir hoch zu helfen. Oben angekommen musste ich aber wieder warten. Diese Zeit nutzte ich um meine Familie zu finden. Von dem ca.6m hohen Betonshelter hatte ich einen guten Blick und nach einem kurzen Schrei war der Blickkontakt hergestellt. Endlich an der Reihe mussten wir über ein Netz wieder runterklettern. Hier war höchste Konzentration gefordert, da am Ende des Netzes große Betonröhren lagen. Nachdem diese überwunden waren, folgte der Tanz über Autoreifen. Am Ende lagen wieder Betonröhren und wir krabbelten über ein Spinnennetz auf den nächsten Betonshelter.  Oben angekommen mussten wir über Strohballen runterspringen. Ich bin glücklicherweise heil unten angekommen, aber ich habe mir auch sehr viel Zeit gelassen. Nach diesem Hindernis war das Feld auseinander gezogen und ich konnte endlich frei laufen. Es folgte ein kleine Schlammgasse und ein kurzes Kriechhindernis. DIRTY DANCING hieß das folgende Hindernis, welches eine große Matschgrube war. Das empfand ich als spaßig.  Auch die folgende Steilkurve Namens GRAVITY TEST war recht einfach zu durchlaufen. Jetzt folgte ein Wechsel des Untergrundes. Bisher hatten wir hauptsächlich Waldboden und Asphalt. Was  folgte war nerviger Sand und Kies.  In dieser Kiesgrube gab es ein kleines hüfttiefes Wasserhindernis, gefolgt von einer Kriecheinlage und einem rund 80m langen 30cm tiefen Wassergraben. Dieses war aber recht locker zu durchlaufen.  Es folgte mit QUICKSAND ein extrem steiler Sandberg den ich schon mit einigen Gehpassagen meistern musste. Das runter Laufen ging recht einfach und nun kündigte sich das Highlight des Laufes an, der GULF OF WEEZE. Dieses war ein Schwimmhindernis und ich hatte sehr viel Respekt davor. Wer sich dieses Wasserhindernis nicht zutraute, konnte eine Strafrunde  Namens „Pussylane“ laufen. Es gab nur sehr wenige die diese 500m lange Strafrunde absolviert haben.  Ich ging sehr vorsichtig in den kleinen See hinein. Nach 5m war ich brusttief im Wasser und begann mit Schwimmbewegungen. 10°C sind verdammt kalt und ich atmete 2mal tief durch. Konzentriert schwamm ich im Bruststil. Ab und zu bekam ich auch mal einen Schuh ab, aber ich habe leider auch ab und zu getroffen. Nach 30m hatte ich wieder Boden unter den Füßen. Der Ausstieg gestaltete sich aber aufgrund des lehmigen Untergrundes als recht schwierig und rutschig. Es folgte mit CANALE GRANDE eine sehr glitschige Lehmrinne.

THE ROCK war ein Lehmhügel der recht leicht zu erklimmen war. Nur das runterkommen erforderte wieder höchste Konzentration aufgrund der Steilheit. Der SEA OF GLORY war nun das letzte Hindernis und das Wasser war wieder etwa hüfttief. Was folgte war eine längere Laufpassage im Sand, mit einem Kriechhindernis und zum Abschluß ging es noch einen kleinen Hügel hoch. Der Untergrund wechselte jetzt wieder und wir bogen auf die Zielgerade ein. Dort stand auch meine Familie und Manuela sagte mir das SPIDERS WEB aufgemacht worden ist. Um den Stau zu lösen, konnte es umlaufen (Pussylane) werden Das wurde aber von mir sofort verneint.
Anfang der 2. Runde gab es eine Verpflegungsstation und ich nahm Wasser und ein Stück Banane zu mir. So gestärkt machte ich mich auf den Weg über die nicht zu endenden SHELTER.

Diese SHELTER waren doch kräfteraubender als ich es mir vorgestellt habe. Ein wenig mehr Bergtraining wäre von Vorteil gewesen. Am SPIDERS WEB hatte ich jetzt Platz und kam ohne Probleme rauf. Auch der Rest des Hindernisses stellte kein Problem dar. Nach dem Matschhindernis DIRTY DANCING  gab es eine 2. Verpflegungsstelle. Allerdings gab es hier Wassermangel und wir bekamen nur Cola. Das war besser als gar nichts zu trinken, aber an Wasser sollte es eigentlich nie fehlen. Die nächsten Hindernisse waren recht zügig passiert und auch den gemeinen steilen Sandhügel habe ich bezwungen. Dann war ich schon wieder am GULF OF WEEZE. Das Wasser fühlte sich kühler an, als in der ersten Runde, aber ich wollte ein Strongman werden. Somit schwamm ich auch zum 2. Mal durch den See. Der Ausstieg war um einiges  glitschiger als in der ersten Runde, da wir ja alle pitschnass aus dem See kamen und das Wasser auf die folgende Laufstrecke verteilten. Mir war jetzt klar, dass ich jetzt bald ein Strongman sein werde und fieberte dem Zieleinlauf entgegen.

Die letzten Hindernisse flogen nur so an mir vorbei und dann war ich endlich auf der Zielgeraden. Der Zieleinlauf war ein super geiles Gefühl und ich war glücklich diese Abenteuer überstanden zu haben.
Mit meiner Zeit war ich nicht ganz so zufrieden. Ich habe für die 18km lange Strecke 2:57:21 benötigt. Das entsprach überhaupt nicht dem was ich eigentlich geplant hatte (7 Minuten pro km ergibt eine Zeit von 2:06:00). Für die erste Runde benötigte ich 1:35:21 und für die Zweite 1:21:50. Letztendlich stellte sich heraus das die Strecke ein klein wenig länger war, nämlich 23,4km. Mit dieser Info und der Wartezeiten in der ersten Runde bin ich mit meiner erreichten Zeit und Platz 1855 sehr zufrieden.
Zu den 6956 Finishern gehörte mit Marc-Andreas Rumpf ein zweiter Weltraumjogger. Er benötigte 3:16:47 und landete auf Platz 3045.

Nachdem ich mich ein wenig erholt hatte, holten wir mein Finisher-Shirt und wollten eigentlich noch einen Hubschrauberrundflug machen. Doch leider verschwand dieser eher vom Gelände als telefonisch bestätigt und wir machten uns auf dem Weg zum Auto. Die ersten Meter verliefen wie bei der Anfahrt sehr schleppend.  In Hamm machten wir dann einen Abstecher von der Autobahn und gingen zu MC`Donalds.  Dort trafen wir dann noch ein paar Braunschweiger Strongmänner.  Um 0.35 erreichten wir endlich wieder Berlin.

Dieser Lauf ist etwas für Verrückte, ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Mir hat der Lauf, trotz einiger Schönheitsfehler in der Organisation, super viel Spaß gemacht und ich steh schon auf der Warteliste für 2011.
So ganz nebenbei habe ich  mich für den Survivalrun am 18.09.10 im Serengetipark in Hodenhagen angemeldet.

Jörg Stargardt