Weltraumjogger verzaubern Erzgebirge

Souveränder Sieg in der Schmerzmittel-Mannschaftswertung

Conrady

Conrady

Duemler

Friedel

Friedel

Leidig

Mund

Stein

Vogt

Der Sachsenman ist ein rustikaler Triathlon im Erzgebirge, deren Veranstalter mit der Anmerkung werben, »wer den Sachsenman finisht, für den ist ein Ironman ein Sonntagsausflug«. Das ist ernstzunehmen. Sauwetter gehört zu diesem Triathlon traditionell dazu wie die Leberwurststulle an den Verpflegungsstellen. Besonderer Reiz ist die Radstrecke, die von Pirna durchs Erzgebirge nach Olbernhau führt, sechs Anstiege mit 1700m Höhenmetern – wer die Light-Ausführung wählt erspart sich zwei Berge.


Das Höhenprofil sorgte für Unterhaltung.

Der steilste Anstieg in diesem Jahr trägt den poetischen Namen »Klötzerberg« und hat 15% Steigung. Zum Glück ist das ganze nach etwa vier Kilometern vorbei, so daß man das Ding auch mit 39 mal 25 hochkommt (die Weicheier vom Veranstalter empfehlen mindestens eine 39 mal 27). Trotzdem mag dem einen oder anderen das Radsportklassiker-Zitat von Tim Krabbé auf der Zunge gelegen haben: »Mein Gehirn macht Anstalten, sich wurstartig aus meinen Ohren zu stülpen.« Auf den Kammhöhen Temperaturen unter zehn Grad, heftiger Gegenwind. Da die Strecke nicht abgesperrt ist, tragen durchgeknallte Autofahrer, Baustellen, rote Ampeln und die zu beachtende StVO zum Unterhaltungswert der Strecke bei. Zwei Tage vor Beginn des Triathlons soll am Zielort Olbernhau Schnee gesichtet worden sein. Die Veranstalter verneinten dies auf ihrer Homepage. Vermutlich eine Notlüge zur Beruhigung der Teilnehmer.

Davon nicht abschrecken ließen sich neun mutige Weltraumjogger, die mit Winterausrüstung, Schmerzmitteln und allerlei Carbon anreisten. Alle kamen ins Ziel, beste Plätze in den Altersklassen wurden erreicht, ob Startplätze für Hawaii heraussprangen, konnte bis Redaktionsschluß nicht geklärt werden. Fehldispositionen waren individueller Art. Ingo hatte im Vorfeld zu viele Zahnarzttermine plaziert. Andreas' Carbonrad hätte auf den Abfahrten etwas stabiler sein dürfen, und Holger hatte für »18 Grad, sonnig, trocken« (wetteronline) geplant, fuhr im nassen Einteiler plus Jacke und fror sich den Arsch ab.

Unverständlicherweise waren hinterher alle glücklich, Ingos Zahnschmerzen verflogen, einige wollen sogar wieder mitmachen. Vergessen die abendfüllende Wettkampfbesprechung in einer dunklen Scheune, bei der ein Beamer bunte Linien auf seltsamen Staßenkarten zeigte und das Personal sich durch eine epenhaften Auslegung des Veranstaltungsmottos »Zurück zu den Wurzeln« hervortat. Vergessen die Abstimmung über die Schwimmlänge der Classic-Strecke, die ungültig erklärt werden müßte, da Ingo (als Light-Teilnehmer) für die 3km-Strecke stimmte. Vergessen das mitternächtliche Müllbeutelsortieren für die Wechselzonen, um nicht mit Radschuhen beim Laufwechsel überrascht zu werden. Vergessen die kalte Dusche im Zielbereich, ohne die man bei der Massage nicht genommen wurde. Vergessen der eineinhalbstündige Bustransfer zum Start um sechs Uhr morgens, bei Regen und »Theo, wir fahren nach Lodz« im Radio.

So gilt es 2007 die kombinierte Ibuprofen-Immodium-Wertung zu verteidigen, die die Weltraumjogger in diesem Jahr souverän gewannen, besondere Einzeldosierungen von Ingo, Steffen und Holger sind hier hervorzuheben.

Leidig