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Aber nicht so an diesem Wochenende. Sonnenschein seit Tagen. Für den Sund waren 23 Grad vorhergesagt - im Wasser. Ich packte also meinen Familienbecher Melkfett gar nicht mehr ein. Und ich war in diesem Jahr sogar rechtzeitig bei der Registrierung wegen der Startnummer. Letztes Jahr hatte man zu der Zeit aus dem Zelt fröstelnd auf den dicken Regen geschaut. In diesem Jahr sonnten sich alle davor und warteten auf den Transfer nach Rügen. Schnell noch den Stempel für den MV-Allrounder 2020 holen und dann los vom Strandbad hoch zu den Bussen.


In Altefähr angekommen schlenderten die wie immer tiefenentspannten Schwimmer und Innen zum Start. Viele schäkerten darüber, wie viele Minuten vor dem offiziellen Beginn wohl in diesem Jahr die Startlinie durchbrochen werden würde.


Ich habe ja dieses Jahr Anfang April recht früh mit dem Freiwasserschwimmen angefangen und fühlte mich superfit. Selbst meinen Bioprenpanzer hatte ich rechtzeitig und den Wassertemperaturen angemessen abgebaut. Schnell noch einen Gelbeutel genommen, die Transfertüte mit Latschen, T-Shirt und dem ganzen Kram beim Laster abgegeben und dann ab in das Startgetümmel. Mein Ziel war eine Bestzeit, also stellte ich mich - den rechten Rand verachte ich ja - am linken Rand des Teilnehmerfelds weit vorne ins Wasser. Ich muss zugeben, dass ich dann auch etwas gedrängelt habe und bei der Ansage "Wir begrüßen euch zum 56. Sundschwimmen" den Start-Knopf auf meiner GPS-Uhr drückte und mit den anderen zusammen auch schon los schwamm. Man hörte noch aus dem Lautsprecher "Och nee! Wie immer! Das ist bestimmt drei Minuten zu früh!", aber das Feld war mal wieder lange vor dem Countdown in Bewegung. 
Tatsächlich überholte ich gleich nach dem Start reihenweise Teilnehmer und natürlich auch Teilnehmerinnen. Als Rechtsatmer konnte ich immer das Feld gut im Blick halten. Ich hatte offenbar einen super guten Tag getroffen. Ich lag wirklich auf einer Linie mit den anderen Führenden - ein völlig ungewohntes Gefühl. Geht halt nichts über einen frühen Trainingsbeginn. Sehr prickelnd, bislang stand ich ja nur beim Elbstromschwimmen 2019 auf dem Treppchen. Obwohl es dort auch noch einen vierten und fünften Teilnehmer meiner Altersklasse gab. Vielleicht könnte ich hier ja echt etwas reißen...


Während ich sehr konstant und sehr aggressiv durch den Sund kraulte und dabei einige Quallen richtig mit nach hinten zog und aus dem Wasser schleuderte, meldete sich meine GPS-Uhr und vibrierte kontinuierlich.


Ich dachte erst, das würde den ersten Kilometer signalisieren. Dafür war es aber nach vielleicht zehn Minuten doch etwas zu früh. Hoffentlich ging mir nicht ausgerechnet jetzt das Tracking flöten, wenn ich fast in Führung lag. Sehr störend und verstörend. Das Vibrieren hörte aber nicht auf. Vielleicht hätte ich besser kurz aussetzen und auf der Uhr nachschauen sollen, was da falsch war. Das Durcheinander brachte mich wirklich aus dem Konzept.
Ich merkte auch, dass meine Füße ohne Bettdecke echt kalt waren. Und dass ich das Kopfkissen nicht mehr unter mir hatte.


Das Kopfkissen? Decke? Ich war doch mitten im Sundschwimmen! Und auf dem besten Weg, bei der Siegerehrung aufgerufen zu werden!
Ich öffnete die Augen und schaute an die Decke. Die Bettdecke war weggerutscht, das Kopfkissen auch aus dem Bett gefallen. Mein Fitnessband vibrierte beharrlich zum Wecken vor sich hin. Wieso war ich in meinem Bett?


Och nee! Ein Jahr zu früh! Alles nur geträumt? Damn! Das 56. Sundschwimmen ist ja jetzt erst am 3.7.21. Der Startplatz wurde immerhin übertragen. 
Aber ich lag doch so weit vorne! Was hätte das für ein toller Tag auf dem Treppchen werden können, bei meiner Topform! Ich murmelte noch mit Bernd dem Brot "Mist!", holte Decke und Kissen wieder hoch und cancelte jegliches Training für die nächsten beiden Wochen. Höchstens mal eine Runde Stand Up Swimming in der Dusche, das reicht völlig!