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Rennsteig, das ist Kult, und hier ist der Begriff mal nicht abgenutzt. Vom Kloßessen mit Gulasch und Rotkohl am Vorabend auf dem Marktplatz in Eisenach bis hin zu den Schmalzbroten und zum Haferschleim als Wettkampfverpflegung. Es ist ein Rennen ohne großen Schnick-Schnack und großes Bohei, aber mit großer Zuschauerbegeisterung auch mitten im Thüringer Wald, der den Rennsteig umgib, der eigentlich ein knapp 170 Kilometer langer Wanderweg auf einem Höhenzug ist. Der Supermarathon umfasst davon „nur“ die 72,7 Kilometer von Eisenach nach Schmiedefeld. Was an sich ja schon nicht ohne ist – aber es ist nur die Hälfte der Geschichte: Der Rennsteig ist nämlich ein heftiger Berglauf. 1700 Höhemeter rauf, 1200 runter, nach dem Start auf im 215 Meter hoch gelegen Eisenach (um 6 Uhr morgens!) geht es auf den ersten 25 Kilometern auf 900 Meter – und eben nicht einfach immer nur schön gleichmäßig, sondern zwischenzeitlich teils steil wieder runter.

Irgendwann sind die Beine eher hart, irgendwann zwickt irgendwas zumindest in Maßen bei jedem, und dann ist es alles eine Kopfsache. Der Satz „Der Schmerz geht, der Stolz bleibt“, auch von unserem Berlin-Man von anfeuernden Plakaten am Straßenrand in Erinnerung, er steht hier auf einem T-Shirt eines Mitläufers. Wie wahr, auch wenn das mit dem Schmerz-Weggehen nicht schon am nächsten Tag klappt. Zum Lohn gibt es ein Finisher-Shirt, das beim Rennsteiglauf etwas ganz besonderes ist, weil es nur die Super-Marathonis bekommen. Für die Teilnehmer am zeitgleichen Marathon, der aus der Gegenrichtung von Neuhaus zum gemeinsamen Ziel in Schmiedefeld führt, gibt es nur eine Medaille, genauso wie für die Halbmarathon-Starter, die in Oberhof los laufen.

Dieses Mal waren von den Weltraumjoggern Peter Acampora, Markus Müller und Stefan Alberti dabei. Unterm Strich: Der Vereinsrekord von Jan Nemitz  mit von 6:37 Stunden aus dem Jahr 2014 hat weiter Bestand – Stefan blieb sieben Minuten drüber. Alle drei Weltraumjogger kamen durch und heile ins Ziel, und das ist nicht immer auszugehen bei einem echten Naturlauf mit äußerst steilen Gefällstrecken, kniffligen Wurzelpassagen und steinigen Wegen mit vielen, vielen losen Brocken, die, je müder man wird, schnell das Ende des Rennens bedeuten können.

Peter und Stefan hatten vom vergangenen Jahr noch den Vergleich zu einer Triathlon-Langdistanz und waren sich einig: Dieser Rennsteig-Supermarathon mag zwar von der Wettkampfzeit her kürzer sein, aber er fühlt sich mindestens genauso anstrengend an. Zu empfehlen ist er übrigens trotzdem: Tolle Atmosphäre, wunderschöne Landschaft – und wie gesagt: Der Schmerz geht, der Stolz bleibt. Und das Finisher-T-Shirt kann man danach ein Leben lang tragen. Tja, wer’s braucht, mag da mancher sagen – aber ein bisschen bekloppt sind wir doch als Triathleten alle, oder?