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Ich bin seit etwa 1,5 Jahren wieder im Schwimmbecken am Start, angeworben von Z88 (wo unsere Kinder trainieren) für den jährlichen Mannschaftswettkampf der Masters, die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften (kurz DMS). Man dachte, man könnte eine Triathletin für die längeren Kraulstrecken gebrauchen. Was für eine Überraschung, dass ich auch andere Lagen kann… ;-) Seitdem bin ich eine der aktivsten Starterinnen des Vereins und bestreite fast alle Disziplinen und Strecken die es gibt – außer Rücken und bisher 200m Schmetterling.

Die Masterswettkämpfe haben ein ganz eigenes Flair. Nicht dieses Gewusel wie bei den Kindern, keine Hektik, eher ist überall eine gewisse Gelassenheit zu spüren. Man sieht eine große Palette von grandios durchtrainierten Menschen bis zu Leuten im hohen Alter, die man außerhalb der Schwimmhalle nicht mit sportlichen Aktivitäten geschweige denn Wettkampfsport in Verbindung bringen würde – und sie alle zeigen großartige Leistungen.

Viele kennen sich schon seit Jahrzehnten. So treffe auch ich regelmäßig eine Konkurrentin wieder, mit der ich mir schon vor dreißig Jahren Duelle um Titel in unserem Jahrgang geliefert habe, und auch jetzt stehen wir in Berlin wieder gemeinsam auf dem Treppchen bei der Altersklassen-Ehrung.

In Braunschweig trafen also wieder viele alte Bekannte aus ganz Deutschland aufeinander. Da wurde viel gequatscht, aber auch hart gefightet, um Zeiten, Medaillen und Rekorde. In der Umkleidekabine kamen alle zusammen. Dort gab es reichlich Zeit zum Reden, denn auch viele ältere Menschen quetschen sich in die Hightech-Carbon-Anzüge bzw. -Hosen. Es kann schon mal eine Viertel- oder halbe Stunde dauern, bis die Sportlerkörper in die Teile rein gezwängt sind (geht es schneller, ist das Ding zu groß). Viel Zeit, um sich über vergangene DMs, EMs und WMs auszutauschen und gemeinsam über das chaotische Anmeldeprozedere für die EM, die im Mai in London stattfindet, auszulassen. Für einen Newcomer wie mich eine spannende Sache. Aber natürlich gibt es auch andere Themen, wenn man sich so lange kennt.

Beeindruckend ist auch das Niveau, auf denen die besten in sämtlichen Altersklassen unterwegs sind. In meiner Altersklasse gehen die Titel mit Zeiten weg, die ich vielleicht früher mal geschwommen bin – jetzt unerreichbar, auch wenn ich wieder täglich ins Becken steigen würde (so wie es viele der Spitzenleute noch tun). Und die nächst höheren AKs sind, wenn überhaupt, kaum langsamer. Ich hatte z.B. die Ehre, über 400m Lagen gemeinsam mit Brigitte Merten von der SG Neukölln in einem Lauf zu schwimmen, die in der Altersklasse 70-74 Europarekord schwamm – und nur wenig mehr als zwanzig Sekunden langsamer war als ich (damit hätte sie auch bei den zehn Jahre jüngeren gewonnen).

Bei so viel Atmosphäre um einen herum lässt es sich glücklicherweise verschmerzen, wenn es nicht so läuft wie erhofft. Am Freitag ging ich über eine meiner Lieblingsstrecken im Becken an den Start, 1500m Freistil. Leider waren die Arme schon nach 200m fest und schwer, ich hatte im folgenden große Lust, das Becken vorzeitig zu verlassen, konnte mich irgendwo bei 1000m ein wenig fangen und war am Ende überrascht, dass die Zeit nicht noch schlechter war. Mit 22:32min blieb ich dreißig Sekunden über der Zeit vom Vorjahr, holte aber wiederum Platz sechs.

Am nächsten Morgen stand mein Hauptziel bei dieser DM auf dem Programm, 200m Brust. Auch hier lief es nicht optimal, etwas zu schnell losgeschwommen und dann das Tempo nach 100m zu sehr rausgenommen. Auf der letzten Bahn immerhin noch gute Arme, allerdings unterstellte mir der Fanclub am Beckenrand, ich hätte Zeit durchs zur Nebenbahn gucken verloren (dabei hab ich doch nur aus den Augenwinkeln…?!). Mit 3:20min konnte ich die Zeit von den Berliner Meisterschaften leider nicht wie erhofft toppen, hierfür gab es ebenfalls den sechsten Platz.

Zum Abschluss gönnte ich mir die 400m Lagen. Im Wissen, schon kaputt zu sein und ohnehin nichts erreichen zu können, erprobte ich eine andere Taktik als bei den Berlinern und versuchte, die 100m Delphin ruhiger anzuschwimmen, um auf den anderen 300m etwas mehr Reserven zu haben. Das war dann zu ruhig, die zehn Sekunden, die ich hier verlor, konnte ich nicht mehr reinholen, auch wenn die Arme auf den letzten Metern nicht ganz so schwer waren wie beim letzten Mal. Am Ende war ich sieben Sekunden langsamer als bei den Berlinern, 6:38min und damit achte.

Jetzt freue ich mich auf ein Wiedersehen mit all den alten und neuen Bekannten bei den Norddeutschen Meisterschaften (wiederum in Braunschweig) in gut einer Woche. Dort hoffe ich auf eine etwas bessere Form und die eine oder andere Medaille (insbesondere in der 4x50m Brust-Staffel), auch wenn ich einen Tag auslasse und daher meinen Titel vom Vorjahr über 100m Brust nicht verteidigen kann.