„Sein letztes Rennen“ heißt ein einfühlsamer Film über Marathon, das Alter und die große Liebe, vielleicht der beste Film von Dieter Hallervorden. Es ist ein Film über Abschied - und ein großer Kontrast zur klassischen Weltraumjogger-Gefühlslage zu Jahresbeginn: dem Warten auf das erste Rennen.

Unser erfolgreicher Cross-Staffel-Auftritt beim Ruderclub in Düppel - abgeräumt bei den Youngsters, 5. von 111 bei den Großen - liegt nun schon drei Monate zurück, der Weihnachtsspeck ist auch so langsam mal weg und die Schwimmgruppen sind längst wieder voller geworden und klotzen Lauras und Achims Trainingspläne. Und weil es nur ein paar Tage lang vereiste Wege in Wäldern und Parks gab, gab es auch keine echte Entschuldigung, beim Laufen noch länger im Winterschlaf zu dämmern.

Kurzum: Es läuft eigentlich schon wieder einigermaßen rund – bloß der show down, take off, kurzum: der erste Startschuss, ist noch in weiter Ferne. Wer nicht bei einer Lauf-Hallenmeisterschaft startet (und dabei auch noch so erfolgreich ist wie Goldi), dem bleibt erstmal nur der Sisu-Winterduathlon. Bei dem sind ja auch tatsächlich acht Weltraumjogger gemeldet und vier auf der Warteliste. Doch wem das mit dem Cross-Radfahren auf der Abfahrt zu wacklig erscheint (wie dem Schreiber dieser Zeilen), der muss weiter warten.

 Warten durch graue, nieselige, nasskalte Februartage, an denen nur eins zum Outdoor-Training motiviert: Die Möglichkeit, dass es beim Wettkampf mal noch grauer und unwirtlicher aussieht und es dann gut ist, so was schon mal erlebt zu haben. Warten bis zum Berlin-Halbmarathon am 3. April (teuer) oder einem kleineren wie Ende April auf Hiddensee (weit preiswerter, aber auch ein bisschen weiter weg).

Also durchhalten und munter weiter trainieren, irgendwann ist er da, der Saisonauftakt. Und bei dem wird mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit schizophrenerweise - sei es wegen Formschwäche, unendlich erscheinender Rennsteiglauf-Anstiege, Fahrrad-Platten oder Prügeleien beim Schwimmen – ganz schnell der Hallervorden-Filmtitel vom letzten Rennen zur Wunschvorstellung werden. Kurzfristig natürlich nur, is' klar. Aber so weit ist es ja sowieso noch nicht.

Stefan Alberti