Vom 25.-28. Juli wollte sich wieder eine kleine WJ-Truppe zur Radausfahrt aufmachen. Schon das 3. Mal. Nachdem die Vorjahre den Oderradweg nach Usedom und den Elberadweg nach Dresden gingen, sollte diesmal 3,5 Tage von der Laehrstraße durch die Lausitz über Görlitz mit einem Abstecher durch Polen und Tschechien bis kurz vor die Quelle der Neiße, um dann auf dem Oder-Neiße-Radweg immer entlang der Grenze bis nach Frankfurt/O. gerollt werden. Fast alles auf gut ausgebauten Straßen, oft auf Radwegen mal mit, mal ohne Autoverkehr.

 

Gemeldet und fest eingeplant:
- Roman der Absager
- Hajo der Quickie und Erkrankte
- Lars der Leidende und Radzerstörer
- Markus der Ortsschildsprinter und fürsorgliche Vater
- Guido der Tourplaner und bis zum Schluss Fahrer

Nach Romans Absage zugunsten seiner persönlichen Wettkampfteilnahme beim Ostseeman am Wochenende darauf starteten wir also zu viert, wobei Hajo uns krankheitsbedingt nur auf der ersten Etappe 40 km begleitete.

Die Tour in Stichpunkten:

Allgemein:
Strecke: 580 km insgesamt, 90 % guter Asphalt mit wenig oder keinen Autos.
Fahrzeuge: Rennräder
Navigation: Garmin Edge 800 (diesmal sehr zuverlässig)
Temperatur: 28-34 °C
Regen: 4 Tropfen pro Person in Polen
Getrunken: 6-8 Liter pro Tag / geschwitzt wahrscheinlich mehr

1. Tag Laehrstraße – Maukendort (südlich von Hoyerswerder/Lausitz)
- 183 km, 09:30-19:30, Start zu viert, Ankunft zu dritt.
- Hajo begleitet uns 40 km bis zum Neuendorfer See und ermöglicht uns dort im Freibad freien Eintritt, weil er dem Kassenwart verspricht beim Kiosk was zu kaufen.
- Ein Highlight sind die Radwege entlang der neu entstehenden Tagebauseen rund um den Senftenberger See
- Wir machen Halt an einem See mit rötlicher Verfärbung (laut Lars die mitgeschleppten Überschwemmungsreste aus den Städten). Ein Insider erklärt uns, nachdem wir uns frisch gemacht haben, dass es sich um Ausschwemmungen aus dem Boden durch die Flutung der Kohleseen handelt. Die rötliche Farbe in Markus Gesicht war also Eisenhydroxid o.ä.. Geht das aus der Radkleidung wieder raus?
- Herberge in Maukendorf wird mit 1 Stern bewertet, will 3 Einzelzimmer abrechnen und lässt Lars bis heute auf die versprochene Abrechnung warten. Die Räder kommen mit aufs Zimmer. Die Mücken plagen uns beim Abendessen.

2. Tag Maukendorf – Görlitz – Polen/Tschechien- Görlitz
- 173 km, davon 30 in Polen und 20 in Tschechien, Start 09:00 Ankunft 21:00, noch sind wir drei, Hajo fehlt mit seiner lebensfreudigen Art.
- Die tollen Radwege gehen bis ca. 20 km vor Görlitz weiter. Zum Schluss wird es autobahnähnlich mit LKWs richtig heftig. Nach 70 km erreichen wir Görlitz, wo unser vorgeschicktes Versorgungspaket mit Wechselsachen noch nicht angekommen ist. Wir sollen es am nächsten Morgen ab 07:00 probieren.
- Als Guido sein Rad in Görlitz an eine Hauswand anlehnt, um im Innenhof zu schauen, kommen zwei aufgeregte Polizisten mit den Worten: „Schließen Sie bitte Ihr Rad an und entfernen das Navi“.  Auf die Frage, ob denn viel geklaut würde kam die Antwort: „Na Mensch, wir sind hier im Grenzgebiet, das dauert keine 2 Minuten dann ist das Rad in Polen.“ Die beiden waren erst wieder beruhigt, als Markus sich als Aufpasser postierte.
- Nach kurzem Kulturstopp in Görlitz setzen wir die Tour über Landstraßen durch Polen und Tschechien fort. Zwar haben die stark befahrenen Landstraßen einen Seitenstreifen, aber die Polen holen anscheinend immer alles aus Ihren Autos raus. Markus: „Gibt es noch eine andere Straße ich habe hier Todesangst.“
- Die polnische Landschaft erinnert an Griechenland oder Spanien mit vertrockneten Feldern entlang den Straßen.
- Das Thermometer zeigt nun über 30 °C. Bei flotter Fahrt kühlt der Fahrtwind. Bergauf und im Stehen fließt der Schweiß in Strömen.
- Wir zweigen in eine unbefahrene Straße ab, die sich als Bergetappe entpuppt, mit Bergankunft bei Hühnern und einem bereits unter der Hitze leidenden Lars.
- Wir sind sehr zügig unterwegs  - Tacho zeigt oft 30 + X.
- Nach der nächsten Bergetappe mit einer langdistanzähnlichen Anstrengung kommt Lars schließlich mit den japsenden Worten an: „Wo ist die Abkürzung“ Als Guido nicht gleich antwortete fordert Lars erneut: „WO IST DIE  ABKÜRZUNG?“
- Schließlich beruhigt sich die Stimmung beim Stopp an der Tanke, wo Flüssigkeit und Energie nachgeladen wird.
- Wir passieren die Grenze zu Tschechien durch einen kleinen Waldweg, der zwar für unsere Räder ungeeignet ist, aber an Schieben ist aufgrund der gefräßigen Mücken nicht zu denken.
 - Als wir in Tschechien auf den Oder-Neiße-Radweg treffen, informiert uns Lars mit den Worten: „GAME OVER“ darüber, dass sich sein Tretlager - dass ja schon einige Zeit knackte – soeben vollständig verabschiedet hat. Die Kurbel drehte erheblich schwerer, machte Schleifgeräusche und schalten auf’s große Kettenblatt war nicht mehr möglich.
- Es folgten 45 Minuten der Beratung und Versuche einen Radladen ausfindig zu manchen, der das passende Campa Tretlager vorrätig hat und dieses am besten über Nacht einbaut. Eine erworbene tschechische Internet- und Telefon-Flat macht’s möglich. Ein angehaltener Tscheche, der kein Wort englisch oder deutsch versteht, verbleibt ohne was zu sagen sehr lange bei uns stehen. Wahrscheinlich denkt er, er könnte was von dem Rad abhaben, wenn wir es vor lauter Verzweiflung in den Graben schmeißen.
Es hilft alles nichts, Lars rettet sich noch über die Grenze, wird an Steigungen angeschoben und nimmt den Zug zurück nach Görlitz.
- Markus und Guido treffen nach flotter Fahrt mit Sonnenuntergang in Görlitz ein, wo wir im östlichsten Restaurant Deutschlands schlechten Service und bei schlechter Musik die letzten 3 Essen aus der Küche bekommen.
- Unsere polnische Unterkunft direkt neben der Brücke zu Görlitz liefert auf der gesamten Tour das einzige nette Personal in den Unterkünften. Allerdings versteht der Pensionschef gar nicht, warum wir die Räder unbedingt mit aufs Zimmer nehmen wollen, wo doch alle Ihre Räder im abschließbaren Raum lassen. Weil die Zimmer zu klein sind, machen wir das dann auch mit etwas ungutem Gefühl.

3. Tag Görlitz – Neuzelle
- 169 km, 10:00 – 19:30, Start zu dritt, Ankunft einer
- Die Räder sind noch da.
- 07:30 – wir tauschen frische gegen schweißige Radklamotten aus und senden das Päckchen zurück.
- Lars verlässt uns vorzeitig per Zug und reist mit seinem vor Ort irreparablen Rad ab.
- Es verbleiben also noch Markus und Guido.
- Die Sonne brennt schon früh am Morgen, wir geben Gas und heizen entlang der Neiße gen Norden. Schließlich muss Markus bereits um 16:00 in Berlin Justin in Empfang nehmen, so dass es für Markus nur ein halber Tag auf dem Rad wird.
- Die Neiße verschwingt zum Teil um 180 Grad und beschert uns Ausblicke wie im Rheintal, zum Teil grasen Rehe im Gras.
- Es wechselt sich Wald mit Feldern ab, auf offener Fläche suchen wir vergeblich nach dem Knopf um den Fön auszuschalten, der uns durch den heißen Fahrtwind entgegen weht.
- Schließlich trennen wir uns nach 60 km und die letzten 100 km rollt Guido allein weiter.
- Die Neiße bringt immer wieder Abkühlung.
- Auf dem Radweg ist teilweise 20 km lang keine Möglichkeit zum Auftanken.
- Guido wohnt nun allein im Wellnesshotel mit erstem Bierbad, er trinkt nur leider gar kein Bier.
- Auch hier weist die Kellnerin Schwächen auf, als sie um 21:05 sagt es gäbe kein Eis mehr, weil der Koch um 21:00 Schluss gemacht hätte. Schade nur, dass sie 15 Minuten zuvor das letzte Mal zu sehen war – also keine Chance mehr sein Geld auszugeben.
- Schließlich lässt sich die Nacht auch allein in einem aufgeheizten Blockhäuschen für 4 Personen  genießen.

4. Tag Neuzelle – Frankfurt/Oder
- 60 km, 08:00 – 11:00
- Highlight der letzten kurzen Schlussetappe sollte der klare Helenesee sein.
- Nicht eingeplant war, dass tags zuvor das „Helene Festival“ stattfand und gegen 10:00 nun erstmal der ganze Müll weggeräumt werden musste. Der Sicherheitsdienst hatte den Auftrag niemanden reinzulassen (kam mir ein bisschen bekannt vor).
- Bleibt nur ein weiterer Ausflug über Waldwege und Wurzeln, um dann doch noch einen Moment am feinsandigen Strand und glasklarem See zu verbringen.
- Um 13:00 rollt dann der RE in Wannsee ein und beendet die Tour.

Leider hatten wir mal wieder zu wenig Zeit, um an manch schönen Orten zu verweilen, so dass wir manchmal in asiatischer Touristikmentalität nur anhielten, Foto machten und weiterfuhren. Schade auch, dass erstmals nicht alle Starter ins Ziel kamen.

Und weil sich bei unserer personellen Entwicklung der diesjährigen Tour ein Vergleich zu einem nicht mehr gesungenen Kinderliedchen anbietet, versuchen wir es mal umgedichtet:

5 kleine Weltraumjogger, die planten eine Tour,
der Roman sagte einfach ab, da war’n es nur noch 4

4 kleine Weltraumjogger, die sehnten die Tour herbei,
der Hajo hatte Ohrenweh, da war’n es nur noch 3

3 kleine Weltraumjogger, die war’n in voller Fahrt dabei,
dem Lars brach bald das Tretlager, da war’n es nur noch 2

2 kleine Weltraumjogger, die fuhren einfach weiter
Der Markus musste Justin holen, da war es nur noch einer

1 kleine Weltraumjogger, der Guido fuhr das Ding nach Haus,
es gibt bestimmt ein nächstes Mal, die Planung geht bald raus