Es gibt Sportereignisse wie die Challenge Roth, bestimmte Ironman-Wettkämpfe oder den Berlin-Marathon, bei denen man nach Eröffnung der Anmeldung sofort aktiv werden muss, um einen Startplatz zu bekommen. In diese Kategorie gehört das Sundschwimmen. Auch hier muss man zu Beginn des Jahres unmittelbar zuschlagen, um einen der begehrten 1000 Startplätze zu ergattern. Dank hervorragender Strategie gelang es Roman und mir, und so konnten wir uns darauf freuen am 6. Juli 2013 die 2,315km von Altefähr auf Rügen nach Stralsund zu schwimmen.

Ein halbes Jahr später war es endlich soweit. Wir waren am Vortag angereist und konnten daher bei bestem Wetter zunächst einmal den Strand genießen, chillen, buddeln und plantschen. Die Sonne lachte, das Wasser wirkte ruhig und war mit ca. 19°C auch nicht allzu kalt. Kurz vor Mittag ging es dann mit der offziellen Wettkampferöffnung los. Anschließend brachte uns ein polizeigeleiteter Buskonvoi auf die Insel. Eine recht langwierige und mühsame Prozedur, bei der man im vollen und aufgeheizten Bus lange rumstand, bis es endlich losging und erst ca. 20 Minuten vor der Startzeit ankam. Ich hatte das Gefühl, dass mir alle Kraft aus dem Körper gesogen wurde, mein ohnehin angeschlagener Rücken war auch etwas genervt. Wir hätten mit Peter fahren sollen, der entspannt mit Auto und Kindern vorgefahren war. Sie konnten uns grade noch in der Menge erspähen, bevor sie wieder zurück mussten, um meine Zielankunft nicht zu verpassen.

Jetzt blieb nur noch wenig Zeit, sich ganz kurz zu entspannen und mit Vaseline einzuschmieren (Neos sind nicht für die Wertung zugelassen), Badekappe und Brille aufzusetzen, im Gedränge ins Wasser zu kommen und dann so schnell wie möglich so weit wie es geht nach vorne zu gelangen. Wie es sich herausstellte, war ich immer noch nicht schnell genug, um ganz vorne zu sein. Denn die motivierte Schwimmermasse drängte ins Meer, über den abgezäunten Bereich hinweg, immer weiter weiter raus. Ein Schild, dass die letzten fünf Minuten ankündigte, wurde hochgehalten, aber das bremste das Feld nicht mehr lange aus. Vor mir noch viele Menschen. Dann wurde ein Schild "noch 3 Minuten" hochgehalten - und dies schien das Startsignal für die Ehrgeizigen zu sein. Dem Starter blieb nichts anderes übrig, als zur Legitimation noch schnell die Pistole abzufeuern, um die Zeitnahme zu aktivieren. Also schnell hinterher. Viele Teilnehmer waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal im Wasser angelangt. Für die war das Rennen vorne gelaufen. Aber das war den meisten aufgrund des Volksschwimmcharakters vermutlich auch egal.

Das Meer war frisch, aber nicht zu kalt, und zunächst noch recht ruhig. Ich schwamm ohne jedes Gefühl irgendein Tempo, was angenehm, aber nicht zu langsam erschien. Und überholte, überholte, überholte. Der Wellengang verstärkte sich, zeitweise wurde ich lustig hoch und runter geschaukelt, einmal sah ich neben mir einen Wellenberg, der gefühlte drei Meter hoch war. Doch so sehr störte es mich nicht, ich hatte mein Tempo gefunden, versuchte nur irgendwie nicht allzuweit von den Bojen weg gespült zu werden. Hin und wieder ein Orientierungsblick nach vorne Richtung Ziel, das kaum näher zu kommen schien. Endlich wurden das Land und die vielen Zuschauer immer deutlicher erkennbar. Schließlich sah ich die Schwimmer vor mir aufstehen und durchs nur noch knietiefe Wasser waten. So ging es noch einige Meter weiter bis zur Holztreppe, die aus dem Wasser führte, zwei Frauen sehr kurz vor mir, doch uneinholbar. Dann die Zeitnahme. Ich war völlig aus der Puste von den letzten Geh-Metern. Die Zeit war mit knapp 36 Minuten eine Minuter schneller als erhofft!

Strahlender Sonnenschein empfing mich im noch recht leeren Zielbereich. Manch eine(r) zitterte sehr, doch mir war warm. Meine Familie war rechtzeitig angekommen und konnte mich begrüßen. Ein Fernsehsender befragte mich, wie mir die Veranstaltung gefallen habe. Dann warm anziehen, denn nach und nach kam doch die Kälte von innen durch. Außerdem auf Roman warten, der das Wasser länger auskostete und schließlich verfroren mehr als eine halbe Stunde später an Land kam. Jetzt begann für mich der spannende Teil: Welchen Platz konnte ich mit dieser Zeit erreichen? Endlich wurden die Listen ausgehängt - und ich war enttäuscht. In der Altersklasse der Frauen 38-49 Jahre war ich Vierte! Nur 15 Sekunden Abstand zur Dritten, ich hatte sie also direkt vor mir im Ziel gesehen. Hätte ich mich am Start besser positionieren können, wäre der dritte Platz möglich gewesen. Aber immerhin war ich drittschnellste aller Ü40-jährigen und insgesamt 42. von 990 Finishern. Als abschließende Erkenntnis bleibt, dass ich wohl mehr als zweimal pro Woche schwimmen gehen muss, um bei den "richtigen" Schwimmern mitzuhalten.

Nachdem ich anlässlich meines Geburtstages einen Shopping-Gutschein überreicht bekommen hatte, legten wir uns zum Abschluss des schönen Tages noch ein wenig an den Strand, dann ging es nach Hause. Nächstes Jahr oder ein anderes Mal bin ich nochmal beim Sundschwimmen am Start - dann mit eigenem Transfer auf die Insel und in der allerersten Startreihe...