Distanz: 2km

Ergebnis: Robert 48. von 81 M, 5. von  15 M55 - 44:20

Hier sitzt sie also. Schwesig! An ihrem Schreibtisch und unterschreibt Infektionsschutzverordnungen der schärfsten Art. Ich stand vor der Burg in der sich die "Söder des Nordens" (SPIEGEL, muss also stimmen) verschanzt und mir persönlich den Zugang zu unserem Ferienhome über Monate hin einfach untersagt hat. Obwohl sie ja eigentlich nur aus Brandenburg kommt. Jetzt würde sie es hammerhart zurückbekommen! Ich würde ihr feines Schloss einfach umschwimmen. Das konnte sie nicht verhindern. Als komplett Geimpfter ohne ersten Wohnsitz dort durfte ich ja auch plötzlich wieder Mecklenburg-Vorpommern betreten. Nimm dies, Manu!!

Bei meinem Spaziergang am Vorabend fiel mir dann leider auf, dass die Staatskanzlei ja gar nicht im Schweriner Schloss sondern in einem großen und sicher auch wahrsinnig historischen Gebäude daneben auf dem Festland ist. Na gut. Dann halt symbolisch.

Nach dem wunderbaren Mahl am Vorabend war ich auch etwas versöhnt mit MV. Das Schweriner Schloss liegt an der Grenze zwischen dem kleinen Burgsee und dem Schweriner Innensee. Diese Grenze bilden zwei Schlossbrücken. Dieser Innensee geht dann in weiterer Entfernung  nicht überraschend in den Schweriner Außensee über. Zusammen bilden die logischerweise den Schweriner See. Also etwa so wie das ja auch mit der Müritz ist. Nur dass man im dort anscheinend Niederdeutsch spricht und es sich nicht um die Innenmüritz sondern um die Binnenmüritz handelt.

Die Schwimmstrecke nahm Anlauf im Burgsee, dann unter der ersten Brücke in den Innensee, rechts herumrum bis zu der anderen Brücke und dann eben den Burgsee zurück.  Im Gegensatz zum Müritzman ist das sehr zuschauerfreundlich, weil das Publikum das Schwimmen zu Fuß am Ufer begleiten kann. Ich habe dann wirklich Anfeuerungen beim Schwimmen gehört und gesehen - unglaublich. Etwas uncool habe ich mich dann glatt zu einem kurzem Shaka an die Brückenjubler hinreißen lassen.

Der Start fand angenehmerweise erst um 11 Uhr statt. So richtig angenehm war es dann doch nicht. 9:30 Anmeldeschluss. Und dann war Start des Regens. Und dann wieder kein Regen. Dann das Kinderschwimmen beobachten, bei dem sich guter Schwimmstil im Finish doch Kraft geschlagen geben musste. Dann wieder Regen und kurz vor dem Start Niesel. Und dann stehen wir alle an um endlich starten zu können und es kommt der Knaller. Der CDU-Bundestagsabgeordnete vor Ort darf den Startschuss geben und vorher noch eine Ansprache an die Schwimmer:innen halten. Der war wohl mal Wasserballer und ist jetzt irgendwas  mit Gesundheit und fand das daher toll, dass wir hier sind und Vorbild und so. Darauf hatten wir alle wirklich gewartet und zitterten vor Freude im Nieselregen.

Also los. Ich hatte am Abend vorher schon gesehen, was das für eine Pampe neben den weitläufigen Seerosenfelder war. Erschwerend wurde man dann noch gebeten, am Ende der Einstiegsrampe sofort in Wasserlage zu schwimmen und nicht zu stehen weil man nicht wirklich wüsste ob da noch viele Scherben am Boden seien. Herrlich, erst Regen, dann blutende Füße und danach den Ententümpel queren.

So einen engen Start habe ich nicht in Erinnerung. Bestimmt die ersten 500 Meter war das wie ein riesiger geschlossener Verband beim Radfahren. Nur im Wasser. Wirklich alle waren im Wasserschatten eines anderen, mit Ausnahme des Führenden. Ich habe hinterher gemerkt, dass ein Mitschwimmerfuß es geschafft hatte, meine GPS-Uhr in das Ausschalten-Menü zu versetzen.

Nach der etwas unheimlichen Unterschwimmung der ersten Brücke  - die war sehr flach und dunkel - wurde es besser. Entgegen dem Kursplan im Netz schwamm man doch ein ordentliches Stück vom Schloss weg. Die letzten vielleicht 600 Meter ab waren ganz komisch weil ich die ganze Zeit direkt neben jemanden schwamm. Direkt meint jetzt Zentimeterbereiche. Bei jedem Zug ist seine Hand an mir vorbeigeflutscht, ein Mal hat der mir mit Fingernägeln die Nase gequert. Und egal was ich gemacht hatte, der war immer neben mir. Ich habe dann mich hinter ihn gehängt und war so vor weiteren Kratzern sicher. Im Ziel mussten mir tatsächlich vier Leute nacheinander helfen, die steile Rampe hoch zu kommen. Altersgerecht ...

Wenn die Sonne geschienen hätte, wäre das wirklich richtig schön gewesen. So war es nur wirklich schön, nach 3,8km am Vortag einfach ungerührt schon wieder über 2km zu starten und dabei auch eine Pace-Sekunde schneller zu sein. Ich hätte am Montag glatt den nächsten Wettkampf machen können.

Mein diesjähriges Sommerschwimmen kommt damit in die Spätphase. Das  Müggelseeschwimmen am 15.8. muss ich wegen einer Malaise leider überspringen. Am 21.8. folgt aber das fantastisch tolle Vilmschwimmen. Ich hänge dann noch die 3,5km beim Wismarbuchtschwimmen am 29.8. an, dann hat alles wieder den geplanten Umfang.

Damit ist mein diesjähriges Sommerschwimmen leider auch schon vorbei. Infekt, Fieber, Antibiotikum, alles tut weh. Angeschlagen gehe ich bestimmt nicht ins Meer und so war es das leider auch. Echt schade insbesondere um das Vilmschwimmen, kann man da ja nicht ändern. Sondern nur im nächsten Jahr nachholen!